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#15. Die Sache mit den Wahlprogrammen. CDU.

Es ist schon eine Weile her, dass ich hier angekündigt habe, das Wahlprogramm der CDU zu lesen. Das habe ich auch getan. Und konnte dann nicht drüber schreiben. Warum? Klassischer Fall von Widerwille. Ich bekenne: ich mag weder die CDU noch die CSU. Diese Parteien sind mir suspekt. Unsere Kanzlerin regiert sich quer durch alle Meinungen und ihr Kabinett hat immer ihr vollstes Vertrauen bevor dann doch jemand abgesetzt wird. Still und heimlich. Ja, das ist polemisch und verkürzt, aber ich nehme hier ja eine subjektive Perspektive ein, keine objektive.

Nun las ich mich also ein paar Bahnfahrten und Abende lang durch das Programm der CDU/CSU und fragte mich: was soll ich dazu schreiben? Ich weiß es bis heute nicht, eigentlich soll diese Partei nicht mehr Platz als notwendig hier bekommen, andererseits befürchte ich, dass sie unsere nächste Regierungspartei werden wird, daher lohnt sich eine Auseinandersetzung mit ihren Zielen allemal.

Los geht’s:

Zunächst fällt auf: die CDU hat kein Wahlprogramm, sie hat ein Regierungsprogramm. Unwissend, wie ich war, erkundigte ich mich bei einem Fachmann, ob die regierende Partei immer ein Regierungs- und kein Wahlprogramm stelle. Ich erfuhr: keinesfalls, nur die CDU stellt ein Regierungsprogramm. Bestätigt meinen durchweg arroganten Eindruck des Vereins.

Auch diese Partei stellt ihr Programm in diversen Varianten zur Verfügung. Als PDF, in Leichter Sprache, in Gebärdensprache (was ich als studierte Gebärdensprachlerin super finde – endlich ein Pluspunkt!), die Zeile in kurzer Form. Auf die beziehe ich mich an dieser Stelle.

  • ein starkes Europa
    • aka Europa tut, was Deutschland anordnet?
  • weniger Schulden, bessere Chancen
    • für wen genau jetzt? Menschen mit dem entsprechenden Geldbeutel und Bildung?
  • sichere Arbeit, gute Löhne
    • definiere „gute Löhne“ – sind 3,50 Euro/Stunde gut?
  • starke Wirtschaft und gesunde Betriebe
    • definiere „gesund“: auf Kosten der Steuerzahler? Bankenrettung?
  • Mehr im Geldbeutel
    • für welchen Preis? Weniger Bildung und Kitas?
  • ein modernes Land der Ideen
    • die dann nicht umgesetzt werden, weil man Geld bräuchte, das man nur bekommt wenn man schon welches hat?
  • Digitales Wachstumsland Nr. 1
    • oh ja #neuland
  • Mehr Zeit und Geld für Familien
    • klar, wenn Mutti am Herd steht, hat sie wirklich mehr Zeit für die Familie
  • ein sicheres Zuhause
    • schwingt da Überwachung mit? #prism
  • eine lebenswerte Heimat
    • tja, dazu fällt mir nichts ein.

Als Erfinderin der Herdprämie hat die CDU sich in meiner Wahrnehmung nun nicht gerade als modern eingebrannt. Ebenso ist die Wahlwerbung nicht so, dass ich eine Änderung erkennen kann: heile, deutsche Hetero-Familie – nur mal so als ein Beispiel. (An dieser Stelle ein Hinweis auf Urbanshit). Was hinter den Zielen steht, habe ich teilweise nachgelesen, erfreut hat mich das trotz verklausulierter PR-Sprache wenig. Ich wittere weitere Herdprämien, noch mehr Überwachung, weniger Selbstbestimmung und bei den Fragen nach dem Mindestlohn keine echten Lösungen. Geld spielt eine große Rolle, wie unsere Wirtschaft aber sozialer werden kann und dass sie das muss – hier fehlt Phantasie. Und dann das Ding mit diesem Digitalen. Ein Wachstumsfeld aus dem man endlich einen Wirtschaftszweig machen kann, prima. Aber dann ein Leistungsschutzrecht beschließen. Gegen Facebook sein aber mit den falschen Argumenten und ohne Ahnung. #neuland eben.

Bevor ich mich weiter aufrege: das hat mir nicht gefallen und auch keinen Spaß gemacht. Überhaupt ist das alles ziemlich zäh. Ich habe bereits mit der SPD angefangen und bin auf Seite 2 eingeschlafen. Ich werde weiter lesen, ob ich weiter drüber schreibe weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.

Alle, die keine Lust aufs Lesen haben finden hier auf jeden Fall Wahlunterstützung, denn egal, wie die Politik sich verhält: Wählen ist Pflicht. Also Stimme abgeben gehen am 22.09.

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#14: Me Made Mittwoch – der Erste

Oh wie hat er mir gefehlt der Me Made Mittwoch. Heute angeführt von der Köningin der Ming-Vasen, Wiebke. Tolles Kleid! Wie freue ich mich, heute Abend durch alle MMM-Beiträge zu surfen! Meine Schnitt- und Stoffsucht hat lange kein wöchentliches Futter mehr bekommen – das findet mein Konto prima, aber ich bin jetzt langsam reif für Neues.

Ich trage heute ein Dazwischen-Kleid.

Definition Dazwischen-Kleid: kein aufwändiges, stoffverschlingendes, wunderschönes Baumwollfähnchen und auch kein praktisches Jerseykleid. Sondern ein Kleid aus Webware, das ohne Reißverschluss auskommt und trotzdem näherische Herausforderungen mit sich bringt. In diesem Fall: ein echter Kragen. Im Frühjahr, lang ist’s her, habe ich mich schockverliebt in diesen rot-weißen Traum mit Paspel aus dem Stoff-&-Stil-Katalog:

Bildschirmfoto 2013-08-28 um 08.44.45
Quelle: Screenshot stoffundstil.de

Also Schnitt und Stoff bestellt. Total begeistert von den Eingrößenschnitten und total entsetzt von der Tatsache, welche Größe ich brauchte. Der Vorteil: kein Ausschneiden, kein Ausrädern keine Vorbereitung einfach loslegen mit dem Zuschneiden. Toll.

Das heute getragene Modell ist mein zweites Dazwischen-Kleid, das erste ist hier noch nicht vorgestellt und deutlich weniger geliebt als diese Variante.

Dazwischen_Kleid_1

Dazwischen-Kleid vor Spiegel mit Smartphone – aka Selfie

Den Stoff habe ich im Winter-Sale ebenfalls bei Stoff & Stil bestellt – es handelt sich um eine B-Sortierung eines relativ weichen Jeans-Stoffes, fühlt sich eher wie Leinen an ist ganz weich und am Ende des Tages ist das Kleid etwa 4 cm länger. Warum sich das Ganze vorne unter Knpfleiste so knubbelt weiß ich auch nicht.

Dazwischen-Kleid_2

Von der Seite

Änderungen, die ich vorgenommen habe:

  • Gürtelschlaufen weggelassen – Taille und ich das ist so ein Thema. Immer sitzt sie zu hoch
  • daher habe ich den Schnitt hier um einen Centimeter verlängert dann aber festgestellt, dass sie immer noch nicht tief genug sitzt. Hinten allerdings sitzt es perfekt, vorne könnte noch ein Stück.
  • Kam Snaps statt echter Knöpfe – Knopflöcher habe ich noch nie gemacht, die kommen das erste Mal beim Robson Coat

Egal – da es in Hamburg morgens frisch ist, hält ein farblich auf die Kam Snaps abgestimmtes Jäckchen die Form:

Dazwischen_Kleid_3

Und ja, ich brauche eine farblich besser passende Leggings oder Strumpfhose. Wisst ihr, wie viele Türkis-Töne es gibt? Unfassbar viele. Und nächsten Mittwoch habe ich gelernt, wie ich die große Kamera alleine bediene da gibts dann auch bessere Fotos. Ich hüpf jetzt erstmal ins Linktool.

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#13: Blogwoche

Die Woche begann am Montagabend für mich mit #kollektivesnähen. Das hat extrem viel Spaß gemacht und das gut abgehangene Cambie Dress wurde dabei endlich fertig. Naja fast. Als ich es gestern Abend tragen wollte, stellte ich fest, dass die Änderungen dazu geführt haben, dass ich meine Arme kaum heben kann. Zur Strafe muss es nun bis kommenden Sommer im dunklen Schrank hängen.

Das wars dann meinerseits schon mit dem Nähen in dieser Woche – Mittwoch bis Freitag habe ich im (digitalen, telekommunikativen) Nirvana auf einem spannenden aber sehr anstrengenden Seminar verbracht. Entsprechend steht am Wochenende ein bisschen Erholung für mich an. Ich hoffe aber, morgen meinen Robson-Coat-Schnitt wieder zu finden und endlich ausrädern (bäh!!!!) zu können. Eine, die bei dem Mantel schon weiter ist, ist Frau Siebenhundertsachen und ich freue mich sehr, dass sie ihre Fortschritte verbloggt.

Mein Näh-Blogland kommt so langsam aber sicher aus den Sommerferien zurück. Die erste Herbst-Näherei steht bei vielen auf dem Programm. Wer mag, kann sich in diesem Herbst zusammen mit anderen Nähbloggerinnen ein Kostüm nähen. Catherines Kostüm-Sew-Along findet auf dem MMM-Blog statt. Loslegen die Damen! Ich werde der Vernunft folgen und nicht mitmachen, freue mich aber umso mehr auf den bereits angekündigten Sew Along zum Weihnachtskleid.

A propos Kleider: Meike hat(te) Nähkrise. Ich habe das Thema den Sommer über interessiert verfolgt – unter anderem, weil mich die Nählust auch ein bisschen im Stich gelassen hat. In dieser Woche hat Meike dann darüber geschrieben „Was Nähkrisen mit dem Leben zu tun haben„. (Kommentare lesen! Und wenn ihr schon dabei seid: auch Cats Beitrag lohnt sich). Ich habe noch einen Beitrag dazu im Kopf, der sich um die Dazwischen-Kleider drehen würde – das dreitägige digitale Nirvana hat mich bisher gehindert. Mal sehen, vielleicht morgen.

Weiter im Kleiderreigen. Mein Lieblingsstück der Woche hat sewing addicted produziert. Dabei finde ich Getüddel auf Klamotte meist zu viel, aber das ist mal eine richtig gelungene Variante.

Sehr beeindruckt war ich von Sewing Galaxys Beitrag des Pan-Am-Rocks. WAHNSINN. Die Arbeit, die sie sich mit dem Rock und dem Beitrag gemacht hat. Ich habe ihn ganz gelesen und gut gespeichert – im Leben hätte ich nicht die Geduld acht (8!!!) Varianten zu probieren, aber hier kann man so einiges über Schnittkonstruktion lernen – und das muss ich defintiv noch.

Themenwechsel.

Bei mennory landen Vollkornbrote in Trecker-Form in der Bio-Tonne. Weil die Kinder kein Pausenbrot aus Vollkorn mögen, aber Mama kein Weißbrot mitgeben kann. Kein neues Thema, dass Kinder ihr Pausenbrot nicht mögen, neu ist aber, dass die Brotsorte offenbar über den Staus des Kindes bei den Erzieherinnen entscheiden kann. Och manno, ich will nicht, dass alle sich das Leben gegenseitig immer so schwer machen müssen. Echt jetzt, was soll das? Fragt sich eine Nicht-Mutter. Und: Kann nicht jede Mutter das tun, was sie glaubt ihrem Kind am besten tut und es glücklich macht?

Frau Muttis Kinder sind dabei groß zu werden, so Teenie und größer. Entsprechend sind Pausenbrote weniger das Thema, sondern die   Meilensteine – andersrum. Rührend und unterhaltsam.

Zum Abschluss etwas Trauriges. Aber so dringend notwendig die Auseinandersetzung mit dem Tod – auch und gerade in der Blogosphäre. Danke Dreierlei Liebelei für deinen Mut.

Trauriger Ausstieg – aber verbunden mit dem Wunsch, dass ihr euer Wochenende genießt und Spaß habt – lebt das Leben.

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#12: Herbst-Näherei

So. Der Sommer ist vorbei. Nachdem wir gestern Abend noch einen lauen Abend auf der heimatlichen Terrasse verbracht haben, wachte ich heute morgen mit diesem fiesen Dauerregengeräusch im Ohr auf. Auf der 200 Kilometer langen Heimfahrt regnete es, stürmte es und die Blätter der Bäume fielen auf meine Windschutzscheibe. Also Herbst jetzt, vielleicht erstmal langsam aber offenbar sicher. Ich nehme Petrus Zeichen an dieser Stelle ernst und beende hiermit offiziell die Sommer-Näherei. Die ausstehenden Kleider-Schnitte werden für das kommende Jahr weggepackt und ich muss mir überlegen, was ich in diesem Herbst fertigen werde. Fest steht schon das Langzeit-Projekt: ein Roboson Coat. Der Stoff ist bereits gekauft, der Schnitt ebenso – ich muss ihn nur noch wiederfinden … es fehlen noch Knöpfe und die gefühlten vier Kilometer Schrägband.

Für die schnellere Herbst-Näherei müssen aber mindestens drei Rock-, drei Kleider- und ein guter Pullover-/Jäckchen-Schnitt her. Diese Woche werde ich überwiegend offline auf einem Seminar verbringen. Das hindert mich aber nicht daran, im Kopf zu nähen. Eine meiner liebsten Beschäftigungen: wo ich gehe oder stehe, ich denke über Stoff-Schnitt-Kombinationen oder ein aktuelles Nähproblem nach.

Die größte Herausforderung – wie immer und immer wieder – für mich: alles soll zu den vorhandenen Schuhen passen. Das wird ein Spaß.

Was näht ihr in diesem Herbst? Habt ihr Tipps für mich?

 

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#11: Blogwoche.

Und wieder eine Woche rum. Schnell geht das momentan. So langsam scheinen auch die Sommerferien allerorten zu Ende zu gehen – ich habe wieder wesentlich mehr Posts in meinem Feedly-Account als noch vor ein paar Wochen. Was also hat mich in dieser Woche berührt?

Los gehts mit einem Geburtstagskind: #609060 wird ein jahr alt. Happy Birthday! Diese großartige und wohl eher zufällig entstandene Aktion macht offenbar nicht nur mir sehr viel Spaß ich bin dabei nur Instagram-Guckerin). #609060-Schöpferin Journelle gratuliert ihrem Schützling auf ihrem Blog.

Wo wir schon bei (Körper-) Bildern sind. Die Brigitte hat ja gerade die neue Generation-Frau-Kampagne draußen. Die kann man finden wie man möchte, finde ich. Peter Breuer findet sie kritisierenswert und hat einen, wie ich finde, ganz hervorragenden Brief an die Zeitschrift gebloggt. Danke, Peter, für das hier: „Was niemand braucht, ist der Stress eines Frauenbildes, das suggeriert, man müsse ständig Leistung bringen: Damit der schicke Beruf, das megaoptimierte Familienleben und der Kampf um Goldmedaillen zu vorzeigbaren Ergebnissen werden“.

Mütter. Ein weites Thema, zu dem ich als nicht Mutter mir kein Urteil erlauben darf, das habe ich gelernt. Um mich herum schießen Mütter aus dem Boden. Kinder aller Altersklassen tanzen durch meinen Freundes- und Bekanntenkreis und damit auch Mütter aller Erfahrungsstufen. Freunde werden zu Eltern und Freundinnen zu Müttern. Wie sich das anfühlt und was das mit der eigenen Person macht, das wird häufig diskutiert. Besonders schön hat das in dieser Woche Frau Siebenhundertsachen aufgeschrieben. Eine Bloggerin, die ich bereits lange lese und sehr schätze. Ihre Geschichte liest sich für mich realistisch, schön ungeschminkt und vor allem: nachvollziehbar. Mütter, mehr davon!

Das Bild der deutschen Mutter im Ausland? Hausfrau. Och büdde, nach Dirndl und Weißwürsten jetzt bitte kein neues Stigma Vorurteil. (Anmerkung: ich habe nichts gegen Hausfrauen – ich finde nur, dass in diesem Land jeder Frau der favorisierte Lebensentwurf möglich gemacht werden müsste. Hausfrau. Teilzeit-Mama. Patchwork. Vollzeit-Job mit Vollzeit-Betreuung. Karriere mit Kind. Keine Karriere ohne Kind. Sowieso: mit Kind. Ohne Kind. Jede soll ihr Ding machen können. Aber ich will eine Politik, die das alles zulässt und keine, die mich dafür belohnt, dass ich zuhause bleibe.)

So rund um die Mutterschaft steht häufig eine Hochzeit an (zumindest in meinem völlig unrepräsentiven Umfeld). Hochzeit bdeutet immer auch, sich darüber zu einigen, wie Mann oder Frau oder beide in Zukunft heißen möchten. Eine durchaus emotionale Sache. Ich kenne Menschen, die rund um ihre Hochzeit noch mal richtig Stress mit ihren Eltern hatten, weil Mann den Namen seiner Frau annehmen wollte oder sie sich für einen Doppelnamen entschieden hatte. Die Standardlösung sieht aber auch in meinem unrepräsentativen Umfeld meist so aus, dass sie seinen Namen annimmt. Juliane bekommt auf kleinderdrei einen „Wutanfall“, weil ihre Freundin die Standardlösung wählt. Sie fordert: raus aus der Standardlösung – Frauen soll es möglich werden, eine Entscheidung zu treffen, die ihre eigene Identität nicht negiert.

Nach der Elternschaft kommt das Altern. „Alt.“ liest sich fast wie eine Liebeserklärung, nur sehr viel trauriger und intensiver. Danke Jessy, ich musste ein Tränchen verdrücken und es wird viel zu wenig darüber geschrieben.

Ein weiterer berührender Text stammt in dieser Woche von der punktefrau. „Heimat is nicht nur ein Ort, Heimat ist ein Gefühl“. Las ich heute morgen im heimatlichen Bett und freute mich. OWL ist Heimat, Hamburg ist zu Hause.

In meiner Heimat gibt es noch viele Bauern – als Kind habe ich gegessen, was der Garten gerade hergab und heute wundere ich mich immer noch, dass Menschen zu Weihnachten Erdbeeren essen und mitten im Sommer Orangen möchten. Für alle, die ihr Wissen über saisonales Obst und Gemüse nochmal auffrischen wollen sei dieser Beitrag empfohlen. Juliane hat gleich auch noch Rezepte mit verlinkt, sehr praktisch.

Weil der Herbst – zumindest in Hamburg – bereits an die Tür klopft, sei noch dieses Flammkuchenrezept genannt. Flammkuchen muss im Herbst sein, denn der wärmt schön und versöhnt mich mit dem scheidenden Sommer. Diesen werde ich sobald wie möglich ausprobieren, aber er liest sich unglaublich lecker.

Habt ein schönes Wochenende!

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#10: Man muss auch scheitern können.

Ich wusste, dass ein Risiko besteht. Sehenden Auges und voll motiviert bin ich in die Frustration gerannt.

Was ist passiert? Ich wollte vorgestern meinen Feierabend damit verbringen, „mal eben was schnelles, schickes“ zu nähen. Letzte Woche hatte ich einen Knaller-Rest eine tollen Baumwoll-Jerseys bei Karstadt erstanden in KORALLE. Koralle – Koralle – ich war seelig. Vier Tage habe ich überlegt, mit welchem Schnitt sich das Träumchen am besten vertragen könnte. „Vlieland„, der Schnitt der mir diverse Strickkleider im Winter beschert hat, die ich sehr liebe, sollte es sein. Mir war relativ schnell klar, dass die Kombi aus Baumwolljersey + Vlieland auch schief gehen kann. Nachthemd-Alarm. Aber nur vier Schnittteile um die sommerbedingte Nähunlust in ihre Schranken zu verweisen, sowie die Aussicht auf ein eventuell doch spätsommertaugliches, gemütliches Kleid haben gegen die Bedenken gewonnen.

Beim Zuschnitt war ich noch guter Dinge.

Beim Zuschnitt war ich noch guter Dinge.

Binnen einer Stunde war das Kleid mit der Overlock zusammengetackert. Sogar das Kräuseln des Vorderteils hat ohne Probleme geklappt. Und dann kam die Anprobe. Nachthemd. NACHTHEMD. Das Wort war nicht mehr aus meinem Kopf zu bekommen. Was tun? Erstmal die Ärmel gut 10 cm kürzen, Gummi einziehen. Ach Mist, klappt nicht, der Ärmel ist zu eng geschnitten, als dass er sich mit einem Gummi in Form bringen lässt. Also Gummi wieder raus, Zwillingsnadel in die Maschine rein und oranges Garn eingefädelt. Wenn versauen, dann richtig. Säume genäht, anprobiert, in die Ecke gefeuert. Immer noch Nachthemd. Heute, nach zwei Tagen hatte ich genug geschmollt und es nochmal angezogen. Mit Schuhen und Leggins:

Vlieland_koralle

Vielleicht werden wir doch noch Freunde? Und vielleicht mache ich mal Ordnung im Gäste-Kinderzimmer? Oder schließe zumindest die Tür.

Ok Leggins ist zu dunkel, aber die umzuziehen ist keine Option. Also nochmal mit voller Beleuchtung:

Vlieland

Hand in Hüfte: professionell Posen kann ich nicht. Und unscharf ist das Bild auch noch.

Ab der Taille aufwärts könnte ich an der Seitennaht noch jeweils einen Zentimeter wegnehmen, dann säße es oben besser. Aber nicht jetzt. Vielleicht mit farblich zu den Leggins unpassendem Jäckchen?

Vlieland_Jacke

Besser. Aber nur von vorn. Von hinten: nun … Guido Maria Kretschmer würde sagen: „Das Kleid tut nichts für sie“.

Wie gehts weiter?

Das Ding ist in die Wäsche gewandert. Ich wasche Stoffe nie vor dem Nähen jetzt gucke ich mal, wie es die erste Wäsche übersteht. Allerdings denke ich, dass ich mir hier das erste Nachthemd meines Lebens genäht habe. Kann ja auch nicht schaden, mal ein anständiges Nachthemd zu haben und nicht immer nur kaputte Shirts.

Oder abschnieden? Dann das Oberteil als Shirt und einen Rock mit Jerseybund? Schnell, schick und zufriedenstellend ist anders. Aber wie meine Kollegin S. sagte: „Man muss auch scheitern können.“

 

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#9: Die Sache mit den Wahlprogrammen. Heute: Die Grünen

Quelle: Screenshot

Quelle: Screenshot

Letzte Woche fasste ich den, ich möchte sagen, waghalsigen Plan, Wahlprogramme zu lesen. Begonnen habe ich mit den Grünen. Also den GRÜNEN oder auch Bündnis 90/DIE GRÜNEN, wie sie sich im Wahlprogramm selbst nennen. Ich fühle mich latent angeschrien – ein Beweis dafür, dass die Normen der Online-Kommunikation meinen lesenden Alltag durchdrungen haben.

Bevor ich mich dem Programm widme, muss ich gestehen, dass ich relativ schnell gemerkt habe, dass es mir unmöglich sein wird, von jeder Partei 300 oder mehr Seiten zu lesen. Die für mich wichtigten Kriteriem haben sich ebenso schnell herausgebildet: was bleibt bei mir hängen? Womit kann ich mich identifizieren? Was lehne ich ab? Welche Fragen gehen mir durch den Kopf?

Mein Ziel ist es, am 22.09.13 informiert und überzeugt eine Entscheidung an der Urne treffen zu können. Selbst wenn es auf eine Enthaltung hinausläuft, möchte ich diese Entscheidung bewusst getroffen haben. Es wird hier also nicht um eine perfekte politische Analyse gehen, sondern um die Sicht einer Bürgerin auf das zur Bundestagswahl vorhandene und von den Parteien zur Verfügung gestellte Material.

So. Und nun zu den Grünen. (Ich werde euch nicht anschreien, nur um die CI der Partei zu wahren).

Wo finde ich das Wahlprogramm?

Die Grünen haben eine vergleichsweise sehr gute Landingpage für Informationssuchende zusammengestellt. Hier stehen das Wahlprogramm als pdf, in diversen Varianten als e-Book, sowie ein Kurzwahlprogramm, ein Flyer mit den wichtigsten neun Punkten und ein Wahlprogramm in Leichter Sprache zur Verfügung. Wer Lust dazu hat, kann es sich als Audiobook vorlesen lassen.

Welche Variante habe ich gelesen?

Ich habe mir das e-Book in meine Kindle-App geladen und ca. 50% gelesen. Das Wahlprogramm in Leichter Sprache, das Kurzwahlprogramm und die neun wichtigsten Punkte habe ich komplett gelesen.

Welches Verhältnis habe ich zu der Partei bisher gehabt? Welches Bild?

Die Grünen sind für mich so etwas wie der moralische Maßstab meiner Generation, ich bin mit ihnen und ihren Werten aufgewachsen. Sie sind aus meiner Perspektive so positioniert, dass es mir schwer fällt, mich mit ihren Grundwerten nicht zu identifizieren: gleiche Arbeit für alle, gerechter Lohn, zukunftsfähige Energiegewinnng, sinnvolle Kinderbetreuung, Umweltschutz. Als Hamburgerin fällt das Vertrauen in diese Partei allerdings schwer (#moorburg)

Was will die Partei?

„Teilhaben. Einmischen. Zukunft schaffen – das ist die Richtung des grünen Wandels. Einmischen. Zukunft schaffen – das sind zugleich seine Motoren.“ Der Slogan, der sich durch das Programm zieht, klingt hübsch und wählbar. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten bleibt die Frage nach dem Wie. Haben sich die Grünen auch gedacht und auf vielen, vielen Seiten durchdekliniert, was das für sie heißt. Beispiele gefällig? „Teilhaben – das bedeutet im 21. Jahrhundert auch, Zugang zu schnellem Internet zu haben. Soziale wie ökonomische Teilhabe hängt nicht zuletzt vom Breitbandinternetanschluss ab. Wir wollen gesetzlich sicherstellen, dass jede/r am schnellen Internet teilhaben kann.“ Es folgen die Forderung nach einem diskriminierungsfreien gesellschaftlichem Klima, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern usw. So oder ähnlich werden die vielen ersten Seiten des Programms verbracht.

Das Ziel, so schreiben sie, sei ein „besseres Morgen“ und erklären, dass wir „gemeinsam eine Wirtschaft schaffen, die Lebensqualität für alle schafft, ohne Umwelt, Natur und unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Wir können gemeinsam eine gerechte Gesellschaft schaffen, in der niemand ausgeschlossen ist von Bildung und Arbeit und einem Leben in Würde.“. Dann gibt es so etwas wie einen konkreten Vorschlag: das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sagt „über die wichtigsten Dinge, die das Leben lebenswert machen“ nichts aus so die Aussage verbunden mit der Forderung nach einem „neuen Gradmesser für Wohlstand und Lebensqualität – einen neuen Wohlstandsindikator, der die soziale und ökologische Dimension des Wohlstands mit umfasst.“ Man woll eine „Wirtschaft, die den Menschen und nicht die Märkte in den Mittelpunkt stellt“.

Super. Das BIP und ich habe keine Berührungspunkte, also so gefühlt, im Alltag. Ein VWL’er könnte mir sicher abendfüllend erklären, welche Auswirkungen das BIP auf mein Leben hat. Aber ist das nicht genau das Problem? Dass ich nicht weiß, was das BIP mit mir zu tun hat?

Und wenn ich nicht weiß, was das BIP mit mir macht, wie soll ich dann wissen, ob ein anderer Indikator es schafft, mich zu berühren. Muss ein solcher Indikator mich überhaupt berühren oder geht es darum, etwas messen zu können? Ich bin kein Zahlenmensch, ich verstehe Zahlen nur, wenn ich ihre Auswirkungen verstehe. Dann kann ich sie auch in die eine oder andere Richtung beeinflussen und damit arbeiten. Indikatoren, deren Zusammensetzung ich erst googlen muss und dann immer noch nicht verstehe, was sie mir sagen wollen wollen sind nur eins: mir egal.

Im Wahlprogramm geht es weiter mit Forderungen: Vermögensabgabe, schnelles Netz für alle, mehr demokratische Beteiligung, Politik des Einmischens soll leichter werden, der Abbau der Bürgerrechte muss ein Ende haben, nachhaltig wirtschaften, nachhaltig Energie erzeugen (gern auch durch den Bürger selbst), Arbeit, die Leben finanziert, fördern. Das Versprechen, neue Modelle zu entwickeln „wie wir in Zukunft Zeit zum Leben und Zeit zum Arbeiten besser miteinander vereinbaren können“.

An der Stelle bin ich müde geworden. Müde der Forderungen und Versprechen, müde der aalglatten Politiksprache, die alles kann und nichts muss. Zeit für Kurzwahlprogramm und 9-Punkte-Programm. Die ich jedem, der sich mal kurz informieren will, ans Herz lege. Gehen wir nämlich davon aus, dass die Grünen regieren werden und sie eine Legislaturperiode Zeit haben, ihre Anliegen durchzusetzen, werden sie den geforderten Wandel kaum binnen weniger Jahre schaffen. Daher hat mich brennend interessiert, worauf der Fokus liegt.

Voila – das 9-Punkte-Programm:

wahlprogramm_gruene_9punkte

Quelle: Screenshot

Ich sag ja: alles nicht falsch.

Fazit

Spannende Sachen erzählen sie mir. Aber mir fehlt ein bisschen … Fundament. In meinem eigenen Wissen und in den Aussagen der Grünen. Mir fehlt Konkretes, Antworten auf die Fragen, die sie in mir aufwerfen.

Auf der einen Seite frage ich mich, wie die Zukunft eines Landes in ca. 300 Seiten passen soll, auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass ich schneller Antworten bekomme. Eine Diskrepanz, die man nicht aufklösen kann. Aber: alles in diesem Programm klingt wahnsinnig richtig, wichtig und dringend. An welcher Stelle können sie sich aber durchsetzen? Denn, da muss man sich nichts vormachen, die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Kanzler grün ist, ist nahezu nicht vorhanden. Selbst wenn sie Regierungsbeteiligung schaffen, selbst wenn sie mit der SPD koalieren können wird es eine Opposition geben und dann?

Stellen sich mir die falschen Fragen? Muss eine Partei vielleicht keine Antworten haben? Muss ein Wahlprogramm vielleicht nur behaupten nicht aber halten?

Für mich kann ich festhalten: kein klares Kreuz für die Grünen, ich fühle mich nicht besonders viel schlauer als vorher (ja, Kritiker dürfen gern einwenden, dass ich ggf. erst die vollen 100% lesen müsste).

Ich bin etwas ratlos, ob diese Aktion überhaupt Antworten liefern wird, ob sie meiner Entscheidungsfindung helfen wird. Aber ich mache weiter. Kontrastprogramm. In dieser Woche ist die CDU dran.