#10: Man muss auch scheitern können.

Ich wusste, dass ein Risiko besteht. Sehenden Auges und voll motiviert bin ich in die Frustration gerannt.

Was ist passiert? Ich wollte vorgestern meinen Feierabend damit verbringen, „mal eben was schnelles, schickes“ zu nähen. Letzte Woche hatte ich einen Knaller-Rest eine tollen Baumwoll-Jerseys bei Karstadt erstanden in KORALLE. Koralle – Koralle – ich war seelig. Vier Tage habe ich überlegt, mit welchem Schnitt sich das Träumchen am besten vertragen könnte. „Vlieland„, der Schnitt der mir diverse Strickkleider im Winter beschert hat, die ich sehr liebe, sollte es sein. Mir war relativ schnell klar, dass die Kombi aus Baumwolljersey + Vlieland auch schief gehen kann. Nachthemd-Alarm. Aber nur vier Schnittteile um die sommerbedingte Nähunlust in ihre Schranken zu verweisen, sowie die Aussicht auf ein eventuell doch spätsommertaugliches, gemütliches Kleid haben gegen die Bedenken gewonnen.

Beim Zuschnitt war ich noch guter Dinge.

Beim Zuschnitt war ich noch guter Dinge.

Binnen einer Stunde war das Kleid mit der Overlock zusammengetackert. Sogar das Kräuseln des Vorderteils hat ohne Probleme geklappt. Und dann kam die Anprobe. Nachthemd. NACHTHEMD. Das Wort war nicht mehr aus meinem Kopf zu bekommen. Was tun? Erstmal die Ärmel gut 10 cm kürzen, Gummi einziehen. Ach Mist, klappt nicht, der Ärmel ist zu eng geschnitten, als dass er sich mit einem Gummi in Form bringen lässt. Also Gummi wieder raus, Zwillingsnadel in die Maschine rein und oranges Garn eingefädelt. Wenn versauen, dann richtig. Säume genäht, anprobiert, in die Ecke gefeuert. Immer noch Nachthemd. Heute, nach zwei Tagen hatte ich genug geschmollt und es nochmal angezogen. Mit Schuhen und Leggins:

Vlieland_koralle

Vielleicht werden wir doch noch Freunde? Und vielleicht mache ich mal Ordnung im Gäste-Kinderzimmer? Oder schließe zumindest die Tür.

Ok Leggins ist zu dunkel, aber die umzuziehen ist keine Option. Also nochmal mit voller Beleuchtung:

Vlieland

Hand in Hüfte: professionell Posen kann ich nicht. Und unscharf ist das Bild auch noch.

Ab der Taille aufwärts könnte ich an der Seitennaht noch jeweils einen Zentimeter wegnehmen, dann säße es oben besser. Aber nicht jetzt. Vielleicht mit farblich zu den Leggins unpassendem Jäckchen?

Vlieland_Jacke

Besser. Aber nur von vorn. Von hinten: nun … Guido Maria Kretschmer würde sagen: „Das Kleid tut nichts für sie“.

Wie gehts weiter?

Das Ding ist in die Wäsche gewandert. Ich wasche Stoffe nie vor dem Nähen jetzt gucke ich mal, wie es die erste Wäsche übersteht. Allerdings denke ich, dass ich mir hier das erste Nachthemd meines Lebens genäht habe. Kann ja auch nicht schaden, mal ein anständiges Nachthemd zu haben und nicht immer nur kaputte Shirts.

Oder abschnieden? Dann das Oberteil als Shirt und einen Rock mit Jerseybund? Schnell, schick und zufriedenstellend ist anders. Aber wie meine Kollegin S. sagte: „Man muss auch scheitern können.“

 

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4 Gedanken zu “#10: Man muss auch scheitern können.

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  3. Liebe Frau Müller, ich fürchte, ich werde das Kleid nur an einem einzigen Ort tragen: im Bett 😉 Aber Jeansjacke und Gürtel könnte ich in der Tat noch mal probieren 😉

  4. Liebe Katarina,
    du bleibst eben deinem legeren Anti-Büro-Look treu 😉
    Vielleicht kannst das Kleid mit einer Jeansjacke kombinieren, oder einen Gürtel dazu tragen oder eine Blume daranstecken?
    Ich bin gespannt wie du dich entscheidest.
    Lieben Gruß
    Simone

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