#31: Getagged.

Es fliegt ein Tag durch die nähende Blogosphäre. Vornehmlich getroffene sind Blogs mit unter 200 Followern, die sich auf diese Weise vorstellen und vernetzen können. Mich haben gleich zwei Bloggerinnen gebeten, Fragen zu beantworten. Frau von Welt fragte an und reihte sich damit ein, denn vor ihr hatte Nadine mich schon um Beantwortung gebeten.

Ich habe zu diesen Aktionen ein gespaltenes Verhältnis – auf der einen Seite finde ich den Vernetzungsgedanken toll und lerne dadurch auch immer neue, spannende Blogs kennen. Auf der anderen Seite ist es, wenn eine solche Aktion schon eine Weile im Gang ist, etwas schwierig, neue, ungetaggte Blogs zu finden. Daher habe ich mich entschlossen, hier erstmal nur Fragen zu beantworten und später zu entscheiden, ob und falls ja an wen ich weiter reiche. Niemand hat eine Deadline gesetzt also bleib ich locker 😉

Beginnen wir mit Frau von Welts Fragen:

1. Was war deine Inspiration mit dem Nähen anzufangen? Und wie hast Du Dir das Nähen beigebracht?

Ich nähe, seit ich ein Kind bin, habe aber zwischendrin ca 15 Jahre gar nicht genäht. Inspiriert hat mich meine Mutter, die ist Schneiderin und hat auf der Maschine, die ich heute nutze, bereits seit den 70ern Kleidung produziert. Sie saß früher nähend und bügelnd im Wohnzimmer, während der Rest der Familie wahlweise „Die Schwarzwaldklinik“ oder „Wetten dass…?“ guckte. Immer dabei: dieser sehr eigene Maschinengeruch den ich bis heute sehr liebe.

Sie war es auch, die mir die Grundfertigkeiten beigebracht hat. Irgendwann bekam ich eine eigene Kindernähmaschine, die GAR NICHT funktioniert hat, also durfte ich an ihre und habe bereits früh einfach geradeaus genäht. Als Teenager habe ich mich dann an Kleidung versucht, mit bescheidenen Ergebnissen – burda sei dank sah ich aus wie meine Großmutter. Erst vor zwei Jahren habe ich wieder angefangen. Dank des Internets ging es dann schnell: Blogs, Tutorials, e-Books, Foren – das alles hat mir geholfen zu lernen. Bis heute google ich lieber eine unbekannte Technik als sie in einem meiner Bücher nachzuschlagen.

2. Welche Handarbeitstechniken beherrschst Du noch (Stricken, Häckeln, Filzen) und wie kombinierst Du die in deinen Werken?

Ich kann sticken, stricken und häkeln. Das Sticken hat meine Tante mir beigebracht, eine passionierte Handstickerin. Übe ich aber heute nicht mehr aus – die Ergebnisse sind mir meist zu wenig nutzwertig. Ähnlich geht es mir beim Häkeln – macht Spaß aber was stelle ich hinterher damit an? Deshalb ist meine Ausgleichs-Handarbeit das Stricken. Allerdings am liebsten geradeaus: jeden Winter eine handvoll Schals oder mal Stulpen. Ziel für diesen Winter: Strickjacke.

3. Wo kaufst Du deine Stoffe (Internet, Stoffmarkt, Fachhandel)? Woran achtest Du dabei am meisten (Farbe, Zusammenstellung, Qualität, Preis? So müssen alle meine Stoffe durch den Knittertest durch – kurz in der Faust zusammenpressen und schauen, wie der Stoff danach aussieht)?

Ha! Den Knittertest mache ich auch! Wenn ich real kaufe. Was ich eher selten tue. Wenn, dann zieht es mich zu Karstadt (für die Hamburger: Innenstadt oder Osterstraße). Gern auch mal zu Frau Tulpe, aber eher, wenn ich einen Gutschein habe, die sind doch recht hochpreisig und ich knauserig. Ein Mal war ich bei Mahler Stoffe. Das war mir zu viel des Guten. Ich brauche Übersicht. Daher gehe ich auch fast nie mehr zum Stoffmarkt. Stoff&Stil bei Hamburg ist natürlich auch eine tolle Adresse, aber eher für einen Ausflug geeignet als für ein schnelles Kaufvergnügen. Das allermeiste aber bestelle ich online. Ich bin sehr genügsam, wenn der Stoff meinen Vorstellungen nicht entspricht, findet sich eine andere Verwendung dafür.

Ich habe unterschiedliche Kaufphasen: mal will ich unbedingt das eine Muster. Dann habe ich einen Schnitt der einen Stoff braucht und dann gibt es die Liebe-auf-den-ersten-Klick/Blick-Käufe.

Neben dem Knittertest habe ich einen anderen Tick: ich bin stoffgeizig weil ich Reste doof finde. Wenn ich noch nicht konkret weiß, was der Stoff werden soll, bestimme ich in etwa, ob es ein Oberteil, ein Rock oder Kleid werden soll und kaufe nach selbst festgelegter Standardmenge:

  • Oberteil = 1 bis max 1,2 Meter
  • Rock: 1,5 Meter (ich bin sehr groß und brauche die Länge)
  • Kleid: zwischen 2 und 3 Metern.

Hat bisher immer gut geklappt, aber ich nähe auch selten stoffverschwenderische Schnitte.

4. Konstruierst Du selber deine Schnitte oder nutzt du Fertigschnitte? Was sind deine Favoritmarken? Welche kannst Du empfehlen? Welche sind Deine Standardanpassungen?

Konstruieren? Keine Zeit und keine Lust – ich will fertig werden. Mich treibt die Aussicht auf ein neues Kleidungsstück an (ich habe lange Zeit sehr, sehr wenig passende Kleidung gehabt – da schätzt man jedes Teil). Mir kommen nur fertige Schnitte unter die Nadel. Am liebsten Indie-Designer wie Sewaholic, by Hand London et al. burda geht auch – bringt aber meist Frust mit. Sonst: alles, was mir gefällt. Meine Standardänderungen:

  • +5 cm Länge an JEDEM Rocksaum, manchmal auch 10 cm
  • + 3 cm an jedem Ärmelsaum
  • bei den meisten Kleidern zwischen +1-3 cm Länge am Oberteil
  • Hohlkreuzkorrekturen

Mein absolutes Trauma: zu kurz – daher gibts erstmal alles in zu lang – abschneiden geht immer.

5. An wen wendest Du Dich, wenn Du nicht weiter kommst? Welche Nachschlagwerke kannst Du empfehlen?

An Mama – via Telefon- oder auch mal Skypekonferenz. Die gehört aber mir und maximal meiner gerade mit dem Nähen angefangenen Schwester und wird nicht verliehen. An die #nähnerds. Oder an Google. Ich habe viele Bücher, aber die sind trotz räumlicher Nähe zum Nähtisch immer so unahndlich, der Rechner ist sowieso immer an also gucke ich online.

6. Wie gehst Du mit Nähflauten und unkreativen Phasen um?

Ich hardere, zermatere mir das Hirn, lese Blogs, kaufe Stoffe und Schnitte. Manchmal nähe ich eine Tasche, was ich sehr ungern tue, nur um nicht aus der Übung zu kommen. Allerdings: ich habe sehr wenig Zeit zum Nähen und die kleinen Dosen, in denen ich dazu komme haben den Vorteil, dass eine Flaute erst ein Mal vorgekommen ist.

7. Welche sind deine Kriterien bei Kaufen vs Selbernähen-Entscheidung?

Ich nähe, was ich trage und trage was ich nähe. Gekauft werden nur Dinge, auf die ich absolut nicht selbst machen kann (Schuhe) oder will (Unterwäsche, Tücher) oder die gekauft einfach besser aussehen (Jeans – eine einzige besitze ich). Hin und wieder wandert eine Bluse in meine Einkaufswagen – das ist dann eher Faulheit weil ich die für den Job brauche und noch keinen hübschen, unkomplizierten Schnitt dafür gefunden habe und die schönen (aka flutschigen) Stoffe immer so ätzend zu nähen sind.
8. Was steht aktuell auf deiner ToDo-Handarbeits-Liste?

Ellenlang und bereits drei Mal überarbeitet. Einen Ausschnitt findet ihr hier für Röcke und hier für Kleider. Und falls jemand von euch eine Anleitung für eine sehr einfache und schöne Strickjacke kennt: gern her damit.
9. Wie ist dein Style? Wie sieht Dein Kopf-Kleiderschrank aus?

Ich habe keinen Style, ich versuche zu tragen, worin ich mich wohlfühle. Das sind Kleider und Röcke. Mal eine Hose. Das sind fließende Stoffe und immer, immer, immer ein Tuch um den Hals (naja in diesem Sommer mal drei Wochen ohne). Ich habe sehr unterschiedliche Phasen gehabt – begonnen beim Grunge in Jeans und viel zu weiten Oberteilen habe ich anschließend Jeans und engere Oberteile getragen. Als ich an zu arbeiten fing auch mal Stoffhosen und Blusen, mal ein Hosenanzug. Meine Freunde meinen, noch nie hatte ich einen so gut sortierten Kleiderschrank wie in den letzten zwei Näh-Jahren. Sehe ich genauso. Meine Hüften sind breit und mein Hintern ausgeprägt, durch zu wenig Sport und zu viel Sitzen bekomme ich einen Bauch – da sind Kleider und Röcke angenehm, praktisch und schön.
10. Was war bisher dein allerliebstes selbstgenähtes Teil?

Mein allererster Rock vor zwei Jahren. Total verschlissen aber sehr geliebt weil er eine Metapher ist: für den Wandel, den mein Kleiderschrank von da an nahm.

Und nun zu Nadines Fragen:

1.) Was hat Dich dazu bewogen, mit dem Bloggen anzufangen?

Dieser unerträgliche Drang, endlich mitmachen zu wollen und zurückgeben zu können.

2.) Wen möchtest Du mit Deinem Blog erreichen?

Ich habe kein Ziel mit dem Blog – das ist eher ein Weg und ich gucke, wohin er mich führt.

3.) Welche 3 Dinge nimmst Du mit auf eine einsame Insel?

Puh. Den besten Mann von allen, einen W-Lan-Anschluss und mein Macbook.

4.) Wann ist Deine beste Zeit für Kreativität?

Das ist sehr unterschiedlich – in der Regel gehöre ich zu den Menschen die morgens besser arbeiten können als abends. Das fände mein Arbeitgeber aber irgendwie doof, daher bin ich meist abends nähend unterwegs.

5.) Woher beziehst Du die Materialen für Deine Ideen?

s. o.

6.) Magst Du lieber das Meer oder die Berge?

Meer. Nordsee im Herbst oder Winter – stürmisch, rau, energiegeladen und unnachgiebig.

7.) Was ist Dein liebstes Kleidungsstück und warum?

Mein Stern-Schal – er steht für etwas, das ich hier nicht bespreche, aber das sehr wichtig ist.

8.) Welche kreative Arbeit macht Dir am meisten Spaß?

Nähen und denken.

9.) Was wolltest Du schon immer mal gerne machen, hast es aber bis jetzt nicht geschafft?

Regelmäßig Sport. Ich weiß ich sollte, müsste und wollte. Aber nach drei Monaten mit einer Aktivität verlässt mich die Lust/die Zeit und dann wars das wieder.

10.) Welche Tips hast Du für Bloganfänger?

Loslegen, lernen und Spaß dabei haben.

Advertisements

4 Gedanken zu “#31: Getagged.

  1. Liebe Katarina, vielen Dank! Es hat richtig Spaß gemacht, deine Antworten zu lesen und ich bin gerade echt neidisch, da meine liebe Mutter gerade mal Knopf annähen und Loch Stopfen kann (und Löcherstopfen gehören bisher zu meinem Wissensloch :)) und bestellt sehr gerne was von mir. Ich muss ständig googeln und hoffe, dass gutherzige Mitmenschen mir abundzu was erklären, wenn ich mal Knoten im Kopf habe.
    Und danke für deine Links! Das Kleid von Schnittchen ist ja traumhaft! Ich bin aber auch so ein breite-Hüfte-Exeplar (und behaupte, dass es sich um mein wichtigstes, da größtes Körperteil handelt) und würde gerne das schöne Kleid an einem kurvigen Model mal sehen.
    Wünsche Dir stressfreie Woche (ihr habt ja leider keine Feiertage in HH diese Woche)
    LG
    FvW

Sag mir Deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s