#33: Me Made Mittwoch

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Robson und ich am frühen morgen – noch leicht müde.

Er ist fertig! Er, das ist Robson. Mein neuer Mantel. Vor Wochen hatte ich begonnen, ihn zu nähen. Mehr oder weniger gleichzeitig mit Frau Siebenhundertsachen. Nur habe ich viiiiiel länger gebraucht und das, obwohl ich nicht mal gefüttert habe. Woran also hakte es? An Helga. Helga ist eine alte Dame, 36 Jahre alt aus dem Hause Bernina, sie ist „electric“, hat ein Metallgehäuse und ist von mir heißgeliebt. Der Tag an dem ich eine neue Nähmaschine brauche wird ein trauriger denn Helga ist bereits die Maschine meiner Mutter gewesen und ich mag alles an ihr. Das Rattern, den Ölgeruch, die kleinen Zickereien.

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Auch wenn sie mich bei Projekten wie dem Robson Coat kurz in den Wahnsinn treibt. Die vielen Lagen Stoff haben ihr nicht behagt. Sie wollte streckenweise gar nicht mehr – totale Verweigerung, drei Nadeln habe ich verbraucht (mehr als bei irgendeinem anderen Projekt), viele Meter musste ich trennen weil Helga den Dienst verweigert hat. Und dann, irgendwann in der Mitte war klar: sie wird das nicht mehr schaffen. Während ich bereits überlegte, wie ich über 1.000 Euro zur Seite legen kann für eine Neue (äähhm ja ich bin diesbzgl. markengläubig – etwas anderes als Bernina kommt mir nichts ins Haus. Das ist ein bisschen wie das Apple-Phänomen) handelte meine schlaue Mutter: rief im Nähmaschinenladen ihres Vertrauens in Freiburg an und schnell war klar, dass vor Ort ein Techniker arbeitet, der sie untersuchen und ggf. reparieren kann. Helga sollte postalisch von Hamburg nach Freiburg reisen? Mir war nicht wohl dabei – man kennt sie ja, diese Gruselgeschichten der Post: weg, kaputt, verschollen. Ich habe neben meiner Mutter zum Glück noch eine kompetente pragmatische Person in meinem Leben: den besten Mann. Der packte Helga, fuhr zu Mailboxes in der Hamburger City und ließ sie professionell verpacken und per UPS in den Süden senden. Das ist echt ein Profi-Tipp wenn ihr so etwas habt: kostete gerade mal 20 Euro inkl. Versand also nicht viel teurer als wenn ich das Material selbst zusammen gesammelt hätte.

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Robson war in der Zwischenzeit bis auf die Knöpfe, Knopflöcher und Gürtelteile fertig, Helga aber in der Klinik. Also tat ich etwas, das mich viel Überwindung gekostet hat. Ich brachte Robson zu Mama, die mir die Knopflöcher machte und aufgrund akuter Zeitnot meinerseits auch die Knöpfe annähte. Toll, oder?

Vor zwei Tagen dann habe ich es endlich geschafft den Rest fertig zu machen und trage ihn seit gestern mit wachsender Begeisterung. Toller Mantel, endlich knautscht auch bei Kleidern nichts mehr und ich fühle mich sehr elegant und angezogen aber nicht übertrieben. Gewöhnen muss ich mich noch ein bisschen an diese Massen von Stoff – gut viereinhalb Meter stecken in den Mantel plus diverse Meter Schrägband – die von Tasia angegebene Menge reichte bei mir leider nicht aus. Außerdem finde ich ihn sehr weit, was sehr gemütlich ist aber eben auch gewöhnungsbedürftig. Und guckt mal die Knöpfe: mit Anker! Diesbezüglich teilen Sinje und ich eine große Leidenschaft.

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Der Stoff war ein Karstadtschnäppchen – mittlerweile weiß ich auch, warum er reduziert war: die Kettfäden sind brüchig Das führte zu einem Riss im Armloch beim Einsetzen des Ärmels – ist aber repariert. Insgesamt ist der Stoff aber sehr sperrig gewesen und ich würde ihn nicht wieder verwenden. Wenn ich noch einen Mantel nach dem Schnitt nähen würde, würde ich etwas geschmeidigeres Material suchen. Da ich wie immer keine Lust auf ein Probemodell hatte, ist die Stoffwahl aber total ok für mich.

Drunter trage ich heute übrigens das Schweinchenkleid, das sich sehr bewährt hat.

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Die Schuhe habe ich gewechselt fürs Büro – gefielen mir doch nicht.

Habt ihr Juli schon gesehen? Hammer – ich habe den Schnitt auf der Wunschliste seit ich Tina darin gesehen habe – spätestens heute Abend wird bestellt. Habt einen schönen Me Made Mittwoch!

Edit:

Vergessen zu schreiben: Helga ist wieder bei mir und schnurrt wie ein Kätzchen, sticht wie eine Junge und macht richtig Spaß. Und hier noch ein Bild vom Innenleben:

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26 Gedanken zu “#33: Me Made Mittwoch

  1. Pingback: #56: Lieblingsstück 2013 | Bloggen. Leben. Nähen.

  2. Dieser Mantel war die Mühe absolut wert. Er sieht absolut fantastisch aus! Der Stoff sieht meinem sehr ähnlich, der hier bereits seit dem Frühjahr auf die Verarbeitung wartet *räusper* Die Knöpfe sind total genial!

    Liebe Grüße
    Steffi

  3. schön, dass es deiner Helga wieder gut geht, meine Bernina (ohne Namen) ist ungefähr gleichalt und ich liebe sie ebenfalls heiß und innig!
    und der Mantel ist toll, außerdem finde ich deine saubere Innenverarbeitung wunderbar.
    nicht zuletzt: die Knöpfe! genial!!!

    LG
    sjoe

  4. Traumhaft schön ist dein Mantel geworden!! Respekt vor so einem Großprojekt! Ich habe übrigens etwas mit Helga gemein…-ich komme auch gerade gut erholt aus Freiburg;)

  5. Der Robson ist ja wohl der Wahnsinn und steht dir ganz hervorragend! Und wie schön, dass es Helga wieder gut geht. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr noch eine lange gemeinsame Zeit vor euch habt!

  6. Jeder, der einen solch tollen Mantel näht, hat meine volle Bewunderung! Schade, dass du mit deiner Materialwahl nicht ganz zufrieden bist! Sieht man aber nicht, sieht wirklich toll aus! Liebe Grüsse, Anni

  7. Trotz der Nähhindernisse (oder gerade wegen?) ist der Mantel ein absoluter HIngucker geworden.
    Bei mir streiten noch die Geister, ob ich erst den Mantel oder die Jacke Minoru nähen soll …
    LG Lehmi

    • dieser Mantel ist toll aber: der muss meiner Meinung nach geschlossen getragen werden. Offen ist es doch sehr viel Stoff der links und rechts herab hängt – in Hamburg ist das genau richtig weil hier immer Wind weht oder Regen peitscht – wenn du eher der offene-Jacken-Mensch bist, wäre Robson vermutlich eher hinderlich.

  8. puh.. ich erblasse vor Neid.. du meine Güte. Der ist ja toll. Gratuliere! Das ist ja wirklich der absolute Hammer!!!! Ich will auch so einen haben…

  9. Der Mantel ist richtig toll geworden. Hoffentlich hält der Stoff, wäre sonst schon ärgerlich, bei der ganzen Arbeit, die du hineingesteckt hast.
    LG Susanne

  10. Ein schöner Post! Der Robson ist ein Traum und du kannst wirklich stolz drauf sein. Jedesmal wenn ich einen irgendwo fertig sehe, sehe ich den imaginären erhobenen Zeigefinger, denn schon so lange liegt der hier zugeschnitten rum.
    Liebe Grüße
    Tina

    • man braucht einfach echt ein bisschen Zeit dafür – schwer zu nähen ist er nicht aber mich hat irgendwann genervt, dass ich nicht fertig wurde und Abend um Abend damit blockiert war.

  11. Ich stelle mir gerade vor, ich würde meine Mama bitten, mir Knöpfe und Knopflöcher zu nähen – das würde so was von schief gehen 😉 Toll, dass ihr beide da so gut zusammengearbeitet habt und du dich von den Macken deiner NähMa (gute Besserung für diese) nicht hast aufhalten lassen: das Ergebnis ist nämlich total genial!

    • ja sie ist schon eine Gute und übernimmt mal Arbeiten die mir den letzten Nerv rauben würden und das Teil in der Tonne landen lassen würden. Aber man muss dazu sagen: ihre Tante hat das mit ihr am Anfang auch häufig gemacht und sie weiß wie sehr die eigene Erfahrung auch mal durch Entlastung profitieren kann 😉

  12. Is Helga denn inzwischen wieder wohlbehalten im Norden eingetroffen?
    Dein Robson ist toll geworden, da hat sich der Nervenkrimi doch gelohnt. Ist übrigens das Päckchen angekommen? Ich teile nämlich deine Skepsis bzgl DHL…
    Lieben Gruß

    • Ja Helga geht es wieder gut – stimmt das habe ich total vergessen zu schreiben – sie schnurrt wieder wie ein Kätzchen 😉
      Und Asche auf mein Haupt: ich wollte dir längt geschrieben haben, danke danke danke – Päckchen ist da!

      • Ja, ich wollte auch zuerst nach Helga fragen, was jetzt mit ihr los ist. Klinik hört sich ja erstmal dramatisch an. Der Mantel ist wirklich prima geworden, hoffentlich hält der Stoff jetzt weingstens noch ein bißchen. Brüchige Gewebe, so dass schon beim Nähen etwas kaputt geht, habe ich noch nie gehabt, sehr ärgerlich.

      • Ja es war auch dramatisch Lucy – Rettung in letzter Minute meinte der Techniker. Motorkohle fast ganz weg (wenn weg = Maschine ireperabel tot), Antrieb kaputt. Nadelstange aus der Richtung – aber dasfür fand ich es relativ günstig: 170 Euro hat der Spaß gekostet und efühlt ist Helgs grundsaniert. Mich ärgert nur, dass ich sie vor gut anderthalb Jahren erst in der Wartung hatte zum gleichen Preis und man damals meinte, es sei alles prima. Das zeigt mal wieder, wie wichtig es ist, einen vernünftigen Techniker zu haben.

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