#37: Entdeckung.

Hamburg war heute Schlachtfeld aller Shoppingsüchtigen. Während in der Innenstadt und allen Einkaufszentren dem offenen Sonntag gehuldigt wurde, zog es mich gen Kampnagel. Denn heute war Hello Handmade Markt. Freundin M und ich mussten zwar Schlange stehen aber nur zehn Minuten später hatten wir fünf Euro bezahlt waren drin. Drinnen erwartete uns ein Mix aus allem möglichen Selbstgemachtem: Poster, Lebensmittel, Schmuck, Kleidung, Klimbim. Auch wenn ich nach einigen Online-Jahren in der Selbermach-Filterbubble nicht mehr total weggerockt werde vom Angebot, gibt es doch so einiges zu entdecken und anzufassen. Zudem mag ich die Atmosphäre dieser Märkte und ich mag, dass jungen Linien die Chance gegeben wird, sich zu präsentieren.

Einige bekannte Gesichter habe ich getroffen und an einer Statment-Kette (neudeutsch für großes Gehänge um den Hals) bin ich aufgrund der von mir favorisierten Fabkombi grün-grau nicht vorbei gekommen. Bescheiden, gell? Getrunken habe ich dafür wunderbaren Kaffee der Jungs von den Public Coffee Roasters. Sehr empfehlenswert.

Das allerwichtigste aber: ich habe neuen #nähnerd-Stoff gefunden. Mich leuchtete plötzlich ein orangefarbener Rock, der hoch oben auf einem Tisch dekoriert war, an. Nicht, dass der Schnitt außergeöhnlich wäre. Nö, Hollyburn sieht so ähnlich aus. Aber der Eyecatcher funktionierte. Stand angeguckt, sehr aufgeregt geworden und trotz Schüchternheit (ja, ich kann auch schüchtern) die Frau am Stand angesprochen. Danach Hitzewellen vor Begeisterung. Die Frau, mit der ich gesprochen habe, war Lotta Meyer. Lotta ist Nusum – ein junges Hamburger Label. Sie weiß, dass nicht jede Frau sich ihre Kreationen leisten kann und hat daher zwei ihrer Modelle genommen und gibt diese als Schnittmuster raus unter dem Label „Nusum CUTure“.

Das Konzept musste ich erstmal etwas begreifen, denn es funktioniert ein bisschen anders, als das, was ich bisher kannte: man erwirbt ein Buch, in dem die Maßtabelle sowie wirklich sehr, sehr ausführliche Nähanleitungen für einen Rock und ein Kleid enthalten sind. Dann wählt man aus der Maßtabelle seine Größe und bestellt bei Lotta den Schnitt, der dann auf Heißbügelpapier nach Hause geschickt wird. Dann näht man los.

Der Rock ist toll, aber wenn man einige Zeit näht, hat man einen solchen Schnitt sicher bereits im Lager. Das Kleid aber hat mich überzeugt. Und zwar sehr. Vielleicht wird das mein Weihnachtskleid?

Die Kosten sind ehrlicherweise nicht für „mal eben so“ gemacht. Das Buch kostet 24,90 Eur, die Schnitte kosten nochmal jeweils 14,90 Eur. Größenübergreifend wird nicht gearbeitet (also oben 38 und 42 wäre nicht möglich). Lotta erklärte mir, dass sie nicht nach der üblichen Metrik arbeiten und die Schnitte eine sehr gute Passform haben sollen.

Warum bin ich trotz des sehr hohen Preises begeistert? Ich finde die Idee toll, dass Designer uns ihre Schnitte als Schnittmuster zugänglich machen! Das ist nicht richtig neu, s. Project Runnaway & Vogue & Co. In Deutschland von einer Einzeldesignerin habe ich das aber noch nicht gesehen und finde die Idee grandios. Ich werde mal ein paar Tage darüber nachdenken, ob mein Weihnachtskleid so teuer sein darf und werde euch berichten.

Falls euch die Idee gefällt und ihr sie unterstützen möchtet: Lotta sammelt auf Startnext gerade Unterstützung. Je nach Spendenhöhe gibt es ein Goodie. Für 35 Euro Spende gäbe es Buch und Schnittmuster. Ich drücke CUTure die Daumen und hoffe, dass die Preise marktfähiger werden können, wenn die Zielgruppe größer ist. Toi, toi, toi Lotta!

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3 Gedanken zu “#37: Entdeckung.

  1. Liebe Katarina, wir freuen uns sehr das Dir unsere Buchidee gefällt! Wir betrachten NUSUM CUTure als Experiment. Weil wir unsere Produktion eben nicht ins Nirgendwo verlagern wollen und trotzdem nach einer Möglichkeit suchen unser Design erschwinglich zu machen. NUSUM CUTure ist ein Herzensprojekt. Tatsächlich verdienen wir momentan weder an Schnitt noch Buch etwas- aber wir hoffen, dass sich die Idee durchsetzt und wir dann durch eine höhere Auflage unsere Preise nach unten anpassen können. Es bleibt also spannend. Grüße aus der Hochallee- Liesbeth von NUSUM.. .

  2. Ein sehr interessantes Konzept ist das. Eigentlich auch verwunderlich, dass es sowas nicht häufiger gibt. Und ich finde das Kleid sieht genau wie ein Weihnachtskleid aus und da steht dein Name drauf. Sieh es a) als vorgezogenes Geschenk an dich selbst, b) als wichtige Nähnerd-Recherchearbeit und c) als Unterstützung für eine mutige und ideenreiche Einzelunternehmerin.

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