#41: B5951 und das Karma – ein Lehrstück.

Es hätte so schön werden können mit uns. Aber Butterick B5951 wolte nicht als Kleid in meinen Schrank. Ich vermute, ich bin selber schuld, denn ca. 50% des Problems habe ich selbst verursacht.

Da ist es: in der Tonne.

Da ist es: in der Tonne.

Aber von Anfang an: Wie viele #nähnerds lemmingte ich dieser Tage den Schnitt, den Tina das erste Mal zeigte. Dieses Oberteil! Beie Rockvartianten ein Traum! Kaufen. Gestern dann sollten Zuschnitt und Nähen erfolgen. Das erste doofe Gefühl stellte sich ein, als ich die Maßtabelle noch mal genauer studierte. Brust-, Hüft- und Taillenmaß meines Körpers wären drei unterschiedliche Größen bei Butterick gewesen. Eine davon nicht mal im Schnitt enthalten. Erster Verlust von Karmapunkten.

Der zweite Verlust wichtiger Näh-Karmapunkten erfolgte bei der Stoffsuche. Genau ein Stück mit gut drei Metern hatte ich im Regal. Ein Alfatexfehlkauf vom letzten Jahr. Grau, Plaste durch und druch. Bäääh. Aber bevor ich Nessel nähe verwende ich dann doch lieber ungeliebte Reste die sonst nicht zum Einsatz kommen und andernfalls das Stoffregal verstopfen.

Schnitt ausrädern ging dann ohne Probleme – ich habe einfach die größte Größe genommen weil klar war, dass ich lieber verkleinere als auslasse. Bis mir klar wurde, dass ich das vordere Oberteil nie und nimmer verlängert bekomme. Durch den gerafften Abnäher hat es eine sehr spezielle Form, die toll ist, aber nicht dafür geeignet einfach mal drei bis vier Zentimeter einzusetzen. Vermutlich ging es Butterick auch so und aus genau diesem Grund haben sie direkt darauf verzichtet, die Änderungslinie auf dem Schnitt einzuzeichnen. In der Regel bin ich wenig zimperlich und füge einfach am unteren Rand bis zu vier, fünf Zentimeter ein, aber das hätte dem Abnäher die Proportion genommen. Weitere Karmapunkte Abzug.

Zuschnitt ging dann flott von der Hand und ich ignorierte tapfer das statische Knistern des Stoffs. Dann die ersten Nähte – alles kein Problem, mein Bauch aber sprach eine andere Sprache: schwer genervt war der und ahnte, dass das nichts wird. Heute Morgen dann noch fix einen Ärmel einsetzen und den Ausschnitt wegstecken (Futterzuschnitt hatte ich zum Glück gespart). Anprobe, zuppeln, Tonne. Kurzer Prozess. Alle Karmapunkte waren aufgebraucht und in einem solchen Fall will ich jegliche negative Energie sofort aus dem Nähzimmer haben – ohne weitere Zeit in Änderungen zu investieren.

Was also waren meine Probleme? Nach einer Stunde an herbstlich frischer Luft hat meine Analyse folgendes ergeben:

  • Größe: drei Größen in einem Schnittmuster dieser Machart unter einen Hut zu bringen war mir zu viel, das ist machbar aber ich wollte nicht. Gelernt: entweder ganz oder gar nicht.
  • Länge: das Oberteil war wie befürchtet gut 3,5 cm zu kurz. Gelernt: Schnittmuster vorher genauer studieren ob Verlängerung ohne Probleme geht.
  • Raffungen an den Schultern: sieht ganz toll aus. Bei anderen. Mein Körper ist im Verhältnis oben schmaler als unten – daher trage ich oben gern eng und unten kaschierend. Die Falten an der Schulter aber führten dazu, dass ich oben wie eine Leistungsschwimmerin aussah und nach unten rasch wieder breiter wurde. Mag ich bei mir nicht – gelernt: Sanduhrproportion führt zu Zufriedneheit, Kastenproportion zu sofortiger Unzufriedenheit.
  • Rockteil: ich fand die schmale Rockvariante schicker als die weite – die wäre aber deutlich zu schmal gwesen. Gelernt: hör auf dein Gefühl.
  • Ärmel: der Ärmel war in der zugeschnittenen Größe deutlich zu weit – ich hätte ihn anpassen können, was aber das Umarbeiten des Armlochs mit sich gebracht hätte.

Das aber alles ausschlaggebende Problem war: ich habe gelemmingt. Das funktioniert ganz oft ganz prima, aber ich habe dieses Mal zu wenig nachgedacht und meinem Haben-Wollen-Impuls nachgegeben. Ich hatte ganz andere Pläne und Bedürfnisse und dachte, ich schieb das mal eben dazwischen. Was dazu führte, dass ich mich die ganze Zeit zerrissen fühlte und nicht richtig bei der Sache war. Aber: wieder etwas gelernt.

Und damit mache ich gleich mal weiter: Ich habe das Elisalex Dress aus ähnlichen Beweggründen gekauft und weiß jetzt schon, dass ich und das Kleid nichts werden – möchte jemand das völlig unangetastete Schnittmuster haben? Ich will es nicht verkaufen, aber falls jemand tauschen möchte: immer gern. So und jetzt gehe ich die Dinge zuschneiden, die ich eigentlich machen will: ein Pulli-Experiment, ein Rock, ein anderes Kleid.

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13 Gedanken zu “#41: B5951 und das Karma – ein Lehrstück.

  1. Pingback: #44: WKSA – Teil 1. | Bloggen. Leben. Nähen.

  2. Danke für deinen schonungslos ehrlichen Bericht und die hilfreichen Erkenntnisse. Und natürlich für den Mut zum öffentlichen Scheitern.
    Stehe auch in der Lemmingschlange und dein Sanduhr-Hinweis macht mir einerseits Mut … mal sehn, ob das auch für etwas … ähm, größere Sanduhren hinhaut 😉

    • Das geht leider nicht immer so schnell – aber wenn alles so vermurkst ist, kann ich auch sein lassen. Wenn ich dran hänge und unbedingt nichts anderes will, ist das mit dem Loslassen schon schwieriger.

  3. Nachdem ich nochmal die Schnittzeichnung angesehen habe, ist mir auch klar, dass das Verlängern der Oberteils nicht mal eben so gemacht ist, von Änderungen an Ärmel und Armloch ganz zu schweigen. Das wäre ein mehrere-Wochen Projekt. Insofern: weg damit, wenn genau dieser Schnitt nicht der absolute Herzenswunsch ist.
    Beim elisalex-Kleid möchte ich mich aber Bunte Kleider anschließen – behalt den doch erstmal und teste ihn wenigstens. Der Schnitt ist oben schmal, untenrum kaschierend, und im Oberteil problemlos zu verlängern. Ich habe ein fast fertiges Elisalex hier liegen, komme voraussichtlich aber erst am Mittwoch dazu, einen Reißverschluss dafür zu besorgen, dann gibts Bilder.

    • Ich bin sehr gespannt auf deine Bilder und werde in der Tat so lange warten – ich hatte letzten Mittwoch bei der einen Bloggerin ein so schockierendes Ergebnis gesehen wie ich es schon befürchtet hatte daher dachte ich ich lasse es gleich. Aber du hast recht – ich warte.

  4. Schön beschrieben, das kenne ich genau so. Beim Entsorgen bin ich auch schnell, weil die negative Energie wirklich schnell aus dem Nähzimmer raus muss. Nur bei deiner Elisalex- Entscheidung ruft meine innere Mutter-Stimme, tu es nicht. Mir blutet das Herz. Vielleicht magst du ja den Schnitt liegen lassen, bis das Kleid mit voller Aufmerksamkeit genäht werden kann, nicht zwischendurch eingeschoben. Ich finde es ist ein Schnitt für viele verschiedene Körper. Und das Kleid hat glücklichmach-Potential.
    LG,
    Claudia

  5. Ich sehe ein, dass es für dieses Kleid keine Rettung gab! Schade um die Zeit, die du damit zugebracht hast, aber wie du ja schon selber schreibst, du hast dabei gelernt. Aber dieser Post wäre ja vielleicht auch was für den Handmade Halloween von Marja Katz 😉

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