#52: Wider die Perfektion.

Diese Woche so: Arbeit – Weihnachtsgeschenke besorgen – Termin – Arbeit – Haushalt-am-Laufen-halten – Termin – Arbeit – TerminTermin – Arbeit.

Ich so: Augenringe – Kopfschmerzen – immer-noch-Erkältung – müde – gereizt – schlapp – lustlos – überfordert mit dem was ich will und nicht schaffe.

Heute so: freier Tag. Durchatmen. Pause machen. Mit dabei ein Nachmittagsstündchen auf dem Sofa mit Earl Grey, Lieblingstasse und – welch Frevel! – gekauften Keksen und hässlicher Teekanne. Jawoll. Gekaufte Kekse und eine 2,99-Euro-Teekanne  aus dem Supermarkt.

Tee am Freitag

Zeit für mich und Adventstee mit gekauften Keksen.

Schnell ein Bild machen und auf Facebook posten. Um dann festzustellen, endlich den Aufhänger für ein Thema gefunden zu haben, das mir nach einigen Gesprächen der letzten Wochen unter den Nägeln brennt. Habt einen Moment Geduld, ich komme gleich auf gekaufte Kekse und hässliche Teekannen zurück.

„Wie schaffst du das alles?“, ist wohl DIE Frage des Jahrs 2013 – keine habe ich öfter gehört und keine habe ich selbst öfter gestellt. Mich fragen das Menschen, die sehen und lesen, dass ich Vollzeit arbeite, ein paar weitere Baustellen habe, über die hier hier nicht blogge, nähe und blogge. Ich hingegen stelle diese Frage Menschen, denen ich eine Weile zugehört/zugesehen/zugelesen habe und die veremintlich mehr schaffen als ich. Meine Motivation ist die Neugier – ich finde es außerordentlich spannend, in das Leben anderer Menschen blicken zu dürfen, zu lernen, den Horizont zu erweitern und zu verstehen, wer mein Gegenüber ist und was ihm oder ihr am Herzen liegt.

In den letzten Wochen hat diese Neugier dazu geführt, dass ich mich unzulänglich gefühlt habe. Die tägliche Lektüre meiner heißgeliebten Blogs brachte einen perfekten Adventskalender nach dem anderen, gefolgt von perfekten Adventskränzen, garniert mit allerlei hübscher Dekoration an selbstgebackenen Keksen auf tollem Geschirr eingebettet in perfekte Kulisse hervor*. Mit jedem DIY mehr in meinem Feedreader wurde die Frage in meinem Kopf lauter und erweiterte sich um den Passus: „und warum schaffe ich das nicht?“. Zack – da hatte sie zugeschnappt die Perfektionsfalle und ich mittendrin.

Dass es nicht allein mir so geht, verstand ich in zwei Gesprächen, die ich in den letzten Wochen zu diesem Thema führte. Nicht alleine sein hilft ja immer. Dennoch blieb ein schales Gefühl beim Blick auf meinen ungeschmückten, verkrümelten (herrje, hier wohnen nicht mal Kinder auf die ich es schieben könnte!) und fleckigen Wohnzimmertisch. Und dann die Idee: wenn alle das Perfekte zeigen, zeige ich jetzt, was ich nicht geschafft habe, weil ich weiß, dass es vielen anderen auch so geht. Jetzt sind wir endlich wieder bei gekauften Keksen und hässlicher Billig-Teekanne. Ich möchte mehr Realität in diesem Blog, mehr Blicke in die unaufgeräumten Ecken und das Unfertige, das „habe ich wieder nicht geschafft“. Nicht jammernd sondern wertschätzend, sich selbst berücksichtigend und das Zeigendürfen sollen dabei im Vordergrund stehen. Daher ab jetzt ein Mal die Woche auf diesem Sendeplatz: Wider die Perfektion.

Habt ihr auch gekaufte Kekse und billige Teekannen zu Hause?

*Versteht mich nicht falsch – jede(r) soll bloggen können, was ihm oder ihr Spaß macht. Jede(r) soll die Bilder machen und posten, die ihm oder ihr richtig erscheinen und mir ist klar, dass diese Arbeit immer nur ein Ausschnitt aus dem Leben ist und hinter der Kamera das blanke Chaos herrschen kann. Ich weiß, dass viele Blogger(innen) sich bewusst dafür entscheiden, den Alltag außen vor zu lassen und nur dem Schönen einen Platz zu geben und respektiere diese Entscheidung. Schon immer habe ich aber in einer Küche, in der Plätzchen gebacken werden mit jeder Minute mehr Lust auf ein Käsebrot bekommen. Wider die Perfektion ist vermutlich mein Blog-Käsebrot.

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21 Gedanken zu “#52: Wider die Perfektion.

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  6. Als ich anfing über ein paar selbstgebastelte Sachen zu bloggen, wollte ich wegen der perfekten Blogs gleich wieder aufhören, weil ich tun konnte was ich will, meine Bilder haben einfach nie den perfekten Lichteinfall, und ich habe auch keine Zeit, sie stundenlang nachzubearbeiten oder einen Photokurs zu machen… weil ich gerne Sachen mache und nicht eine Woche damit verbringe sie zu perfektionieren. Ich habe auch nicht stundenlang Zeit zu schreiben. Wenn es gelingt gut, wenn nicht, nicht. Irgendwie schreibe ich den Blog ja auch für mich selbst, als Erinnerungsalbum.
    Ich habe auch schon bei anderen Blogs „Gegen den Perfektionismus“ Parolen gehört, die zeigen, wie die Wohnung sonst aussieht, oder wie sich auf dem Boden neben der perfekten Couch-Tisch-Deko-Kombi Sachen stapeln, die nicht auf das Bild passen. Oder das für ein Klamottenbild ein ganzes Team an Photographen und Beleuchtern gekommen ist. Ich sehe mir die Sachen ab und zu trotzdem gerne an, zur Inspiration, aber ich habe verstanden, dass es mir den Aufwand nicht wert ist. Weil ich auch noch andere Sachen interessant finde, und auch nicht zu viel von meinem analogen Leben dafür aufgeben will.

  7. wie bin ich froh, dass ich mit meinem Chaos nicht alleine bin. Obwohl ich zugebe, dass ich oft staune, wenn ich so viel Hochglanz in Blogs sehe, weiß ich auch, dass ich das vermutlich nie haben werde und vor allem: auch selbst nicht brauche/möchte. Allerdings blogge ich selbst auch nur sehr unregelmäßig – also nur dann, wenn ich wirklich möchte. Ich glaube inzwischen, dass solche schön präsentierten Beiträge in jenen Blogs dazu da sind, der Freude über Dinge, die besonders gut gelungenen oder besonders schön geworden sind, Ausdruck zu verleihen. Ist wunderbar, und das schätze ich sehr.

    Nur ist diese aufgeräumte Welt für mich zum Betrachten und Anstaunen da – in ihr leben möchte ich (meistens) nicht.

  8. Du hast völlig Recht. Ich selber hänge mir immer zu viel an den Hals und dann schaffe ich das alles nicht, aber inzwischen weigere ich mich, darüber frusttriert zu sein. (Meine Teekanne ist zwar sehr schön, die habe ich halt, aber der dazugehörige Lieblingsbecher hat eine Macke. Und die gekauften Spkulatius sind eh die leckersten, da käme ich nicht einmal auf die Idee, die zu backen). Ich spare die Zeit im WWW und vernachlässige das Lesen bzw. Kommentieren von Blogs, die ich mag zu Gunsten der analogen Welt, was ich eigentlich schade finde. Aber irgendwo muss frau ja anfangen.
    LG, Stefanie

  9. Danke, danke danke. Auch ich habe bereits Blogs aus der Leseliste geworfen weil ich es nicht mehr lesen mochte. Dieses Mehr und Toller und 4 Mal die Woche In-Schnittmuster mit In-Stoffen genäht mit perfekten Fotos in perfekter Umgebung präsentiert. Das hinterlässt ein dermassenes Gefühl der Unterlegenheit…
    Ich freu mich auf deine Wider-die-Perfektion Beiträge !
    viele Grüße
    Ute

  10. Gerade die Adventszeit trägt bei mir auch immer ein wenig zur Feedreadehygiene bei. Ich schmeiße nämlich zu perfekte Blogs raus. Obwohl ich denke „So viele tolle Ideen und Umsetzungen“ – ich lese Blogs zur Entspannung und nicht, um mich zu stressen. Wenn es mir also zu inszeniert, zu perfekt, zu viel wird, dann lass ich das lesen und verlasse mich darauf, dassde wirklich tollenIdeen trotzdem via Pinterest-Blogosphäre-Twitter-Filtebubble zu mir kommen.
    Ich hab mich dieses Jahr sehr bewusst gegen meine sonst üblichen selbstgemachtrn Mitbringsel für hinz und kunz und jedermann entschieden. Deko gibts eh bei uns nur im Wohnzimmer und auch dort spartanisch und da wir nah Weihnachten wegfahren auch einfach mal keinen Baum. Hier herrscht derzeit ohnehin Permachaos, weil ich zu oft alles stehen und liegen lasse. Ich habe aber nach vielen Jahren unendlichen Haderns mit meinem Chaos Frieden geschlossen, denn es ist eine Frage der Prioritäten und meine Priorität liegt einfach NIE auf aufräumen.

    Geniess die Momente der Ruhe belächel das Chaos einfach milde.

  11. Pingback: Blog-Professionalisierung |

  12. Schön und irgendwie herzerfrischend und beruhigend, Dein Beitrag – danke! Die „perfekte“ Welt vieler Blogger lässt sich sicher dadurch erklären, dass eben meist nur das Schöne und Perfekte gezeigt wird. Das, worüber sich diese Blogger eben besonders freuen, was ihnen selbst in ihrem Leben am besten gefällt. Den Kruscht, das schnöde Drumherum, das normale und weniger vorzeigenswerte, das hat ja jeder selbst im Überfluss, oder?
    Es gibt Blogs, da bin ich gedanklich hin und wieder dabei, echte Schmäh-mails zu kreieren, weil sie so dermassen überperfekt, durchgestylt, rundum beneidenswerte Leben darstellen, von perfekten, wunderschönen, superschlanken, tollen Frauen… Aber letztlich lass ich es natürlich, denn – zum einen wäre das der reine blanke Neid, der da aus mir schriebe und zum anderen ist das letztlich alles nur eine Fassade, die wir da präsentiert bekommen, hinter die kaum einer von uns blicken kann. Da gibt es sicher genug persönliche Probleme, Unzulänglichkeiten, Krankheiten, private Päckchen, die es zu tragen gilt – doch das geht eben niemanden was an, also wird auch nicht darüber geschrieben und dazu hat schließlich auch jeder Blogger das Recht: Zeigen was schön ist und verschweigen, was man nicht mit der ganzen Welt teilen will. Was will ich eigentlich damit sagen? Lassen wir uns nicht von den vermeintlich mit Superkräften und Zeitumwandler ausgestatteten Bloggern, bzw. Blogerinnen in bodenlose Selbstzweifel stürzen. Da wird überall nur mit Wasser gekocht.
    Einen geruhsamen Advent, gute Besserung und lass Dir die Kekse schmecken!

    LG
    annilu

  13. Wider die Perfektion! Immer mal wieder lese ich kritische Posts, die die öffentlich zur Schau gestellte heile und schöne Welt in Frage stellen.

    Ich bin schon seit einiger Zeit „dabei“. Mit meinem Blog habe ich angefangen als meine Zwillinge keine 2 Jahre alt waren. Anfänglich ließ ich mich schwer beeindrucken, wenn nicht gar unter Druck setzen, von den „Vollzeitmuttis“ mit 3-4 Kindern, die nebenher ihre eigene Marke aufbauen, Unmengen an „Zeugs“ selbst machen, sehr lecker backen und kochen und nebenher noch eine tipptopp aufgeräumte Wohnung in ihren Blogs präsentieren.

    Inzwischen bin ich misstrauisch bis ablehnend demgegenüber. Gibt es hier etwas eine Ganztagsbetreuung der Kinder außer Haus? Putzhilfen? Viel Geld im Hintergrund? Sachen, die nie erwähnt werden?

    Ich bin nicht neidisch, aber bei mir treffen bzw. trafen die o.g. genannten Voraussetzungen nie zu und deshalb vermeide ich es inzwischen, in diese Vollglanz-Mutti-Blogs auch nur kurz reinzuklicken.

    Danke für Deine Ehrlichkeit. Sie tut so gut.

    LG
    Barbara

  14. Super! Ich liebe ehrliche Menschen. Und danke, dass du aufgeschrieben hast, wie es mir geht, lol. Jetzt kann ich meinen Hang (oder ist mehr ein Drang?) zur Perfektion mit lachenden Augen betrachten. Tut gut in dieser wie immer selbstgestrickten (!) hektischen Zeit! Dir und deinen Lesern noch eine schöne Adventszeit…. Lg Delesa

  15. Es kommt sicher immer auf den Blog und was man von sich veröffendlichen möchte. Ich persönlich zeige ganz gerne das Kreative – Chaos in meinem Arbeitszimmer… Ich hab Spaß dran 😉

    Das Leben ist nicht perfekt sondern Vollkommen!

    Manchmal wenn ich lese *-ich-muss-umbedingt- noch etwas bloggen*, selbst wenn es dann nur Quark ist , wundere ich mich. Muss man? Muss man jeden Fitzel posten?

    Lass Dich nicht stressen, das ‚moderne Leben‘ bringt viele Vorteile durch unendliche Wahlfreiheit, man muss nur noch aufpassen wofür man sich entscheidet….. 😉

  16. ich habe keine super vorzeigbare wohnung. deswegen (und weil ich nicht will, dass jeder weiß, was für möbel wir hier so stehen haben) zeige ich sie nicht oder nur ganz kleine ecken. ich bin das wandelnde chaos und schaffe es nur, am wochenende sauber zu machen. so. und meine teekanne hat 9,99 € gekostet. auch im supermarkt 😉 alles gut, niemand muss perfekt sein und die perfekten blogger da draußen sind auch nicht perfekt. eben drum.

    🙂 herrlich ehrlich. danke dafür! ❤

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