#63: Foto-Love-Story zum Wintermantel

Ich habe euch doch erzählt, dass ich neulich enorme Probleme mit der burda-Anleitung hatte. Konkret ging es um die Ärmelschlitze. Das steht in der Anleitung:

„(…) an den Oberärmeln den Schlitzbesatz und die Saumzugaben nach außen legen und an der Ecke schräg abnähen (Briefecke) Die Zugaben der Schrägnaht auf 5mm Breite zurückschneiden und auseinanderbügeln. An den Unterärmeln die Saumzugabe rechts auf rechts auf die Längskante der Untertritte steppen. Nahtzugabe vom Untertritt bis dicht zum letzten Steppstich einschneiden. Saumzugaben und Schlitzbesätze nach innen wenden (…).“

Da saß ich nun mit einem Ober- und Unterärmel und versuchte, die Anweisungen nachzuvollziehen. Was tut der nähnerd, wenn er etwas nicht versteht? Googlen. Rechercheergebnis: Ich bin nicht allein mit meinem Problem. In der burda-Community nähte jemand die andere Variante meines Mantels und stand genau wie ich auf dem Schlauch was nun wohin genäht und wo eingeschnitten werden soll. In der dortigen Antwort lernte ich diese bebilderte Anleitung kennen, die schon mal Klarheit über den grundsätzlichen Aufbau gibt. Nun ist es aber so: ich habe eine ausgeprägte links-rechts-3D-Denken-Schwäche. Und wenn sich in meinem Kopf erstmal ein Knoten gebildet hat, dann sitzt er fest. Also habe ich weiter gegooglet und bin auf diese Videoanleitung von Mia Führer gestoßen.

Die habe ich drei Mal geguckt, weil ich erstmal so fasziniert vom Setting war, dass ich nicht aufpassen konnte, was dort eigentlich gezeigt wird. Diese Frisur! Das Bügeleisen! So 80er.

Mit meinem neu erworbenen Wissen machte ich mich wieder an die Schnittteile. Legte, steckte, heftete, las und guckte. Ohne größeren Erfolg. Aller guten Vorsätze zum Trotz wurde ich zunehmend ungeduldiger und aggressiver. Das musste doch gehen. Wo ist liegt das Problem? Ich fand es nicht heraus – fest stand nur, dass es so nicht ging. Egal wie ich es drehte und wendete – am Ende hatte ich keinen Ober- und Untertritt sondern entweder einen Untertritt, der oben liegen wollte oder zwei gleiche Teile, die eher nebeneinander als übereinander landeten.

Es folgte: Telefonkonferenz mit Profi-Mutter. Die ist nämlich nicht nur gelernte Schneiderin, sondern auch professionelle Mantelnäherin. Als sie noch in einem Textilbetrieb in unserem Dorf arbeitete, den es heute leider nicht mehr gibt, zu einer Zeit, als alle Mädchen aus dem Dorf dornt lernten, wurden an diesem Standort Mäntel produziert. Das habe ich erst vor ein paar Wochen rausgefunden und kann mich seitdem gar nicht mehr einkreigen vor Wissbegierde – mein Vater hat sich neulich zwei Stunden hingesetzt und alles, was er finden konnte zu dem Betrieb zusammengefasst und Geschichten erzählt. Wer weiß, vielleicht schreibe ich die Geschichte hier mal auf.

Die Telefonkonferenz ergab erstmal mehr Fragezeichen als Lösungen – man muss wissen, dass ich schlecht übers Telefon umsetzen kann, meine Wahrnehmungsfrequenz liegt eher im Erleben und Sehen. Und was tut die Mama dann? Sie schneidet einen Nesselärmel zu, engagiert Papa und den Kindle als Fotografen und macht mir mal eben eine Fotoanleitung speziell für diesen Ärmel. Ist das nicht der aboslute Oberkracher?

DANKE MAMA! ❤ ❤ ❤ ❤ ❤

Hier schon mal ein kleiner Auszug – wenn ich am Sonntag damit ergolgreich war, baue ich sie euch hier zusammen, sodass wir alle etwas davon haben.

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Briefecke stecken

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Ich liebe dieses Bild – man Vater hat ein Post-It als Anweisung geschrieben, wie zauberhaft ist das denn bitte?

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Ach, DA soll ich einschneiden – das hätte burda auch gleich mal sagen können

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Fertig – war doch gar nicht so schwer, oder?

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10 Gedanken zu “#63: Foto-Love-Story zum Wintermantel

  1. Pingback: #132. Me Made Mittwoch. Yeah! | Bloggen. Leben. Nähen.

  2. Pingback: #68: Veränderung. | Bloggen. Leben. Nähen.

  3. Sämtliche Deiner ersten Abschnitte könnte ich 1 zu 1 geschrieben haben – ich habe die gleichen Verständnisschwierigkeiten und auch den links – rechts 3D Knoten 😉 auch Mia Führer habe ich gierig angeschaut , und wenn ich dann zu meinem Stoff ging : “ Wie war das jetzt noch mal ?“.
    Aber das tollste an Deinem Post ist die “ Erste ( Näh ) Hilfe “ Aktion Deiner Eltern : Grossartig ! Am liebsten würd ich jetzt schreiben , bestell Deinen Eltern unbekannterweise liebe Grüsse und sag ihnen , dass sie ganz toll sind .
    LG Dodo

  4. Nähanleitungen verstehe ich auch am besten, wenn die Anweisungen im Text zusätzlich bebildert sind. Insofern ist mir deine Fotolovestory sehr willkommen.
    LG Susanne

  5. mir geht genau umgekehrt..
    :-)))ich kapiere die fotostrecke deiner eltern nicht ganz:-)
    so, wie Mia das zeigt- so kenne ich von haute couture und konfektionskleidung. dagegen 2 briefecken,wie Sven zeigt hab ich noch nie gesehen.
    ich weiß nicht mal,ob das auch richtig ist.aber 1 briefecke schon.
    bei russen gibts nicht umsonst den spruch „es ist besser ein mal zu sehen zu bekommen als 10 mal zu hören bekommen“.

      • :-))ich habe eigebtlich super 3D-hirn(brauchte ihn so beruflich),ich lese keine anleitungen, ich sehe nur technische zeichnungen,wenn ich muss.
        hätte eiegntlich verstehen müssen:-))).
        ich habe grade nochmal nachgeschaut. das burdabuch „nähen leicht gemacht“ bietet die verarbeitung mit 2 briefecken.
        ich gehen davon aus, dass es eine weibliche veriation ist, sprich an der frauenjackets wird alternativ gemacht.
        ich kann dir als anfängerin dieses buch nur herzlichst empfehelen.
        da stehen alle, wirklich alle wichtigeste verarbeitungsschritte.die sind hervorragend beschrieben und auch hervorragend bebildert, schritt für schritt.
        das buch meine ich:
        http://www.amazon.de/N%C3%A4hen-leicht-gemacht-Abbildungen-Profi-Tipps/dp/3889780822

  6. genau wegen solch einer kryptisch-beschissenen Anleitung, stand ich über einen Monat auf dem Schlitzuntertritt-Schlauch…
    da ich keinen so tollen Eltern habe habe ichs einfach zu gebastelt..
    würde mich über die weitere fotolovestory sehr freuen !
    Toll wenn man solche „Schätze “ in der Hinterhand hat !

    Liebe Grüsse
    Stella

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