#73: Wider die Perfektion – heute: NFA

Seit ich nähe, nähe ich für mich. Mit wenigen Ausnahmen. Diese sind in der Regel einfach Röcke oder Shirts für sehr gute Freundinnen. Oder ihre Kinder. Oder meine Nichte. Denn, was ich noch weniger mag als für Andere zu nähen, ist, für Kinder zu nähen. Und warum? Weil, wegen Perfektion. Wenn ich mit meinen Passformunzufriedenheiten schon nur schlecht leben kann, werde ich das anderen nicht zumuten. Denn was ist schlimmer als die eigenen Unzulänglichkeiten an anderen spazieren getragen zu sehen? Eine nähende Freundin, die immer wieder sagt, dass dies, das und jenes ja doch nicht so richtig sei (<- it’s me).  Und weil meine Nähzeit begrenzt ist und ich sie – ganz egoistisch – am liebsten mit mir und für mich verbringe.

Nun ist es aber so, dass mein Freundeskreis derzeit eine Reproduktionsrate von 150% an den Tag legt. Hier kommt ein Kind nach dem anderen auf die Welt. Also war es an der Zeit für den Schlachtruf: Wider die Perfektion. Als erstes wurden Schnitte gesucht – ein Mal Junge, ein Mal Mädchen. Als äußert hilfreich bei der Recherche haben sich sowieso verehrte Blogs erwiesen, deren Besitzerinnen Mütter sind und Empfehlungen aussprechen. In meinem Fall brachte die von mir vielzitierte Frau Siebenhundertsachen den entscheidenden Hinweis auf einen guten Strmapelhosen-Schnitt von Klimperklein. Nach nur einer Stunde Stoffsuche (ein weiteres Problem beim für-Kinder-nähen: ich mag diesen bunten Tüdelkram-Stoff nicht) wurde ich in den Resten fündig: blau-weiß gestreifter Jeans aus dem ich mir vor einigen Jahren einen Rock nähte, war noch ausreichend vorhanden. Kombiniert mit Ankerschrägband wurde daraus eine Hamburger-Jung-Hose. Gr 68 – ich lern das noch mit den richtigen Größen bei Babys, diese wird etwa im Sommer passen. Aber: wider die Perfektion 😉

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Strampelhose nach einem Schnitt von Klimperklein. Variante ohne Bündchen.

Mein Alltime Favorit für Mädchen: ein Pipi-Langstrumpfkleid, hier in Gr 62 nach einem burda-Schnittmuster. Auch hier wieder ein Rest eines jeansblauen Baumwoll-Stoffes mit kleinen Sternchen. Nicht schwer zu nähen – man muss nur bereit sein, Schrägband in größerer Menge um enge Kurven zu führen. Hat geklappt und die Beschenkten haben sich gefreut. Und ich halte meine Klappe und weise nicht mehr auf Unzulänglichkeiten hin.

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Ein Kleidchen Größe 62, blauer Baumwollstoff mit Sternchen.

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4 Gedanken zu “#73: Wider die Perfektion – heute: NFA

  1. Die beiden Sachen sind sehr hübsch geworden! Es muss ja nicht immer total bunt, rosa-pink-mit-Rüschen für Mädchen oder mit-Piraten-Baggern-Monstern für Jungs sein, sondern einfach schlicht mit dem gewissen Etwas (z.B. dem Anker-Schrägband)!

    Zum Thema NFA kann ich noch beisteuern:
    Was ich ja zugegebenermaßen nervig finde ist, dass wenn Kolleginnen auf der Arbeit mitbekommen, dass ich nähe, ihre erste Reaktion immer ist: „Ooooh, dann kann ich dir ja jetzt meine Hosen zum kürzen/Sachen zum flicken… vorbeibringen!“ Mittlerweile antworte ich nur noch pampig:“Nöö, das kannste schön selber machen!“. Als ob man nähen lernt, um dann so nen Rummel zu machen (den man bei sich zuhause selbst von der einen Ecke in die andere schiebt).

    Viele Grüße, Goldengelchen

  2. Hübsch und angenehm untüddelig sind die geworden. Ich finde ja dieses Tüddelü auch ganz schlimm. Und eigentlich gibt es ja bei Babykleidung gar keine Passformprobleme. Denn die ist eh immer entweder zu groß oder zu klein und an dem einen Tag wo sie genau passen würde in der Wäsche 😉

  3. Manchmal ist das für andere Nähen auch „undankbar“ … man steckt viel Liebe und Zeit in das Objekt und Subjekt mag es dann nicht oder ungern tragen, egal ob Kind oder Erwachsen, das macht mich dann traurig. Aber oft gefällt es auch richtig gut und wird geliebt. Deshalb kann ich deinen Ausbruch aus dem egoistischen Nähen für gut befinden, zumal die Teile ja wohl zu süß geworden sind.

    Liebgruß Doreen

  4. Bei „Wider die Perfektion“ ist es wirklich hilfreich, nicht auf die Fehler hinzuweisen, die man meistens eh nur selber sieht. Dann steigt auch das Selbstbewusstsein, wenn man merkt, dass sich die Beschenkten trotz der nicht perfekten Passform freuen. Vor allem Passform für Babys? Die wachsen eh zu schnell um sich darum zu kümmern.

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