#77: 1940’s Tea Dress von Sew over It

Seit Erscheinen bin ich um das Schnittmuster „1940’s Tea Dress“ von „Sew Over It“ herum geschlichen. Geguckt, Beispiele gegooglet, verliebt, geseufzt, nicht gekauft. So ging das einige Monate, bis ich neulich dringend Belohnung brauchte. Passenden Stoff habe ich direkt in einer ziemlich großen Bestellung bei Stoff&Stil erstanden, ich berichtete bereits darüber. Und weil es wenige bis keine deutschsprachigen Erfahrungsberichte zu diesem Schnitt gibt (oder Google sie nicht findet), schreibe ich jetzt einen.

Die Verpackung:

Kommt daher wie wir es bereits von anderen Anbietern kennen: Pappschuber, Anleitungsheft und Schnitt.

Toll: Der Schnitt ist auf festem Papier gedruckt, das auch mehrfaches Abpausen, verknüllen und hektisches Verschieben mitgemacht hat. Einen Minuspunkt bekommt die Größenunterscheidung (gibt es dafür ein Fachwort?) von mir – die ist nämlich inexistent. Alle Größen sind in der gleichen Farbe und gleichen Linienart gedruckt. In der Folge habe ich an vielen Stellen ganz schön gefummelt.

Der Schnitt:

mit 11 Schnittteilen gehört der Schnitt zu den eher aufwändigen, für einen Retroschnitt geht das aber eigentlich noch. Und da viele Teile eher klein sind, ist das Kopieren auch binnen einer Stunde per Ausrädern hinter mich gebracht. Enthalten sind 1,5 cm Nahtzugabe – so wie ich das liebe. Kleiner Punktabzug: anders, als bei amerikanischen Schnitten, sind hier keine Änderungslinien eingezeichnet, das ist sehr, sehr schade.

Die Größen:

reichen von 8-20. Ich habe wie immer bei ausländischen Schnitten nachgemessen und mich für eine 12 entschieden. Das war ein Fehler, wie sich im Laufe des Nähens herausstellte. Im Netz hatte ich verschiedene Berichte gelesen, während die einen davon sprachen, dass das Kleid eher groß ausfällt, waren andere der Meinung, dass es eher knapp wird. Ich hatte genau den Brustumfang, den man für 12 haben soll und es war sehr viel zu weit.

Die Anleitung:

Die Anleitung ist im Stil, den wir bereit von Colette oder Sewaholic kennen, gehalten. Kleines Buch mit einigen Zeichnungen aus ausführlichen (englischen) Texten. Dementsprechend sollte es, mit ein bisschen Erfahrung, beim Zusammensetzen keine großen Probleme geben. Einzig die Methode, die Armkugel drei Centimeter zu falten und an der Schulternaht festzuheften kannte ich noch nicht und habe ein bisschen gerätselt, wo genau ich die Handstiche setzen soll. Toll ist auch, dass Sew over It gerade einen Sew Along zu diesem Schnitt gehostet hat, hier werden noch mal ein, zwei Sachen erklärt, die in der Anleitung nicht auftauchen.

Das Nähen:

geht einfach und fix zusammen. Einziger Haken: Kräusel in Verbinundung mit der spitzen Taillenpasse. Das ist – vor allem bei den empfohlenen Stoffen – eher frickelig. Ich habe etwa vier Mal getrennt und war noch nicht richtig glücklich. Später habe ich es an Baumwolle probiert und da ging es super. Geduld und Geschick sind bei flutschigen, leichten Stoffen gefragt. Kleiner Minuspunkt: die Markierungen/Knipse. Es gibt welche, oft passen sie auch zusammen, manchmal aber auch nicht, hin und wieder ist eine Markierung auf einem Teil aber nicht auf dem Gegenstück zu finden. Ich habe den Schnitt mehrfach kontrolliert, kann ja immer mal sein, dass man beim Abpausen etwas vergisst. Hatte ich aber nicht. Im hinteren Rückenteil hatte ich bei beiden Stücken das Problem, dass Side Bodice Back etwa zwei Centimeter kürzer als Bodice Back ist. Da ich schlussendlich zwei Größen probiert habe, scheint es sich um einen Gradierungsfehler zu handeln.

Probeteil_Seite

Hier sieht man den Versatz vom vorderen Seitenteil zum hinteren Seitenteil zum hinteren Rückenteil.

Meine persönliche Erfahrung.

Ich mag den Schnitt, nur leider sitzt er bescheiden. Das liegt aber an mir, bzw meinem langen Oberkörper. In Größe 12 war das Oberteil und auch der Taillenbereich deutlich zu weit aber viel zu kurz. In der Folge fielen die Kräusel im Brustbereich seitlich ab und die Linie verlief eher auf dem unteren Teil meiner Brust als darunter. Das sah ziemlich schräg aus. Auch die Ärmel sind in Größe 12 zu weit für meinen Geschmack – insgesamt hatte ich eher ein sackiges Gefühl, hatte mir aber ein bisschen Körperbetonung erhofft. Das Rockteil hatte ich bereits um fünf Centimeter verlängert – für meine Komfortlänge ist es mir aber etwa weitere fünf Centimeter zu kurz.

03_14_12v12_Kleid

An der Puppe kann man es bereits ahnen: der Brustbereich zieht hoch und sitzt an mir noch viel höher – daher auch keine Tragebilder.

Da ich zudem das Neck Facing falsch angenäht habe (Kopf -> Tisch), war klar, dass ich noch mal trennen muss. Um nicht gleich wieder Schiffbruch zu erleiden, bin ich vernünftig vorgegangen: neue Größe abpausen, zuschneiden, Probeteil machen. Alle Oberteile in Größe 10 ausgeschnitten. Die Schulterlängen dabei von Größe 12 abgepaust und alle Teile nach unten um einen Centimeter verlängert. Zusammengenäht habe ich alle horizontalen Nähte (Schultern, Bodice/Waistband) mit nur einem Centimeter Nahtzugabe, alle vertikalen Nähte (Seiten) mit 1,5 cm. Als Probestoff habe ich eine dünne aber feste Baumwolle gewählt und siehe da: es sitzt. In der Länge des Brustteils könnte noch ein weiterer Centimeter eingefügt werden, das traue ich mich aber nicht, ich befürchte, dass ich damit die Form zu sehr verzerre. Hier hätte ich mir eine Änderungslinie gewünscht, ich habe zwar erahnt, wo ich schneiden müsste, war aber zu feige.

Probeteil_ganz

Schon an der Puppe sichtbar: sitzt viel besser.

Nun ist die Taille gen Hüfte in Größe 10 etwas sehr knapp, hier werde ich das Taillenband einfach Richtung 12 vergrößern, denn auch der Rock behält Größe 12 damit der Reißverschluss überm Po nicht spannt.

Der nächste Schritt: ich werde noch mind. einen Ärmel ins Probeteil einsetzen und hoffen, dass dieser trotz des Längenpfuschs der Längenkorrektur noch passt und nicht nach hinten ausbeult. Wenn dann alles passt, drückt mir die Daumen, dass ich genug Stoff übrig habe, um das Ganze noch mal in Größe 10 zu zuschneiden. Ich halte euch auf dem Laufenden.

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9 Gedanken zu “#77: 1940’s Tea Dress von Sew over It

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  3. Vielen lieben Dank für die Beurteilung dieses Schnittes. Ich schleiche auch schon eine Weile um den Schnitt herum, jetzt weiß ich, dass ich auf jeden Fall ein Probekleid machen muss. Kannst du das dunkelblaue Kleid noch retten, es sieht nämlich sehr schön aus.
    LG, Claudia

  4. Der Mangel an Passzeichen und Änderungslinien hat mich auch bei Elisalex schon sehr geärgert. Ich finde das sehr ärgerlich, wenn ein Schnitt nicht selbsterklärend ist, sondern man ständig in das Heft mit den Zeichnungen gucken muss. Aber hübsch ist der Schnitt ja schon. Hoffe, du kriegst es hin. Kannst du nicht vielleicht den Rock und andere Teile vom zu großen Kleid weiterverwerten?

    • mangelnde Passzeichen sind vor allem bei diesen relativ hohen Preisen für Schnittmuster ärgerlich, finde ich. Das war für mich mal einer der Gründe, Indie-Schnittmuster zu nähen: bessere Passzeichen, bessere Gradierung. Aber alle, die ich in letzter Zeit neu ausprobiert habe, zeigen hier leider deutliche Mängel.
      Ehrlich gesagt hoffe ich, dass ich nur die vier Oberteile sowie das Taillenteil neu zuschneiden muss, der Rock wird übernommen und den Ärmel schneide ich zur Not aus dem 12er – mit ein bisschen schummeln sollte das gehen. Hast du dein Abnäher-Problem lösen können?

  5. Der Weg zum perfekte Kleid ist eben nicht leicht, doch trotzdem lohnt es, sich mit der Schnitterstellung zu befassen und aus den Fehlern lernen wir. Nähte letztes Jahr nach einem ähnlichen Burda-Schnitt aus den 60er ein tolles Seidenkleid. Es hat ein kurzes Oberteil, was vorne spitz zuläuft.
    LG schurrmurr

  6. Meine Güte, hast du eine Geduld! Wenn SchnittTeile einen solchen Versatz haben wie auf deinem Foto, würde ich wahrscheinlich verzweifeln… Was bringt dann eigentlich ein SM, wenn man so viel selbst ändern/neudenken muss? Richtige Fehler im SM finde ich absolut ärgerlich. Diese Art SM hat ja auch einen stolzen Preis.
    Ich schleiche also lieber noch eine Weile um Kleider-SM herum und warte darauf, dass mich der Größenwahnsinn packt und ich es wage.
    Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

  7. Hallo! Schade, daß das dunkelblaue Kleid nicht passt, es sieht nämlich sehr schick aus!
    Wünsche Dir genug Stoff, um das „richtige“ Kleid noch fertig zu nähen.
    Sei lieb gegrüßt, Liane

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