#80: Was ist hier eigentlich los?

Nichts ist hier los – nicht im Blog und nicht im Nähzimmer. Wo nicht genäht wird, wird auch nicht drüber gebloggt. Ist logisch oder? Aber warum wird nicht genäht? Nun, weil ich ratlos bin, was ich nähen soll. Woher diese Ratlosigkeit rührt? Aus meinem sich stetig verändernden Körper. Das wird auch erstmal nicht besser werden, denn ich gehöre zu der wachsenden Gruppe Nähnerds, die in diesem Jahr ein Kind erwarten.

Eine schöne Sache das, vor allem weil Übelkeit und Müdigkeit auf dem Rückzug sind und somit die Energie zurück kehrt. Nur leider nicht in Bezug aufs Nähen. Einige Versuche habe ich in den letzten Wochen unternommen. Die Ergebnisse:

  • ein verhunztes Tiramisu-Dress, das auf Änderung wartet
  • eine aufgeschnittene Hose, die ein Rock werden könnte und die Erkenntnis: ich hasse „Upcycling“ und ich kann es auch nicht
  • eine weitere aufgeschnittene Hose, die ein Bauchband bekommen soll
  • eine fertige Webstoff-Frau-Emma für den dicker werdenden Bauch
  • eine unfertige Frau Juli

Das Problem: mein übliches Kleidungsschema „oben eng, unten weit, Taille betont“ funktioniert nicht mehr, weil die Mitte sich deutlich rundet, der Bauch nach vorn wächst und damit meine Taille zunichte macht. Mit der nun eigentlich angebrachten Alternative der Empire-Linie fremdel ich deutlich – daher werde ich z. B. das Washi-Dress auch nicht nähen. Komme mir vor, wie eine Litfasssäule. Zudem stehe ich bekanntermaßen mit Jerseykleidern auf Kriegsfuß. Flutschiges Material, das sich nicht exakt nähen lässt, Overlocknähte, die nahezu untrennbar sind und das Gefühl, das der Stoff mich näht und nicht ich den Stoff. Nö, danke. Außerdem bin ich verdonnert schicke Stützstrümpfe zu tragen – ein Umstand der mich erst einen Wutanfall, dann ein paar Tränen und dann die Erkenntnis „ich habe keine Schuhe dazu“ gekostet hat und auf einen kalten Sommer hoffen lässt.

So jammerte ich in dieser Woche auch am schönsten Abend der Woche beim Treffen der Nähnerds in Berlin (zu dem ich in KAUFKLEIDUNG gehen musste!) die anwesenden Damen voll und bekam, was ich brauchte: Inspiration, Ideen, Anregungen. Danke! Zwei wichtige Ratschläge stammen von Cat: Schwangerschaft genießen und über den Bauch ’ne Schleife binden.

In diesem Sinne habe ich das Jammertal gedanklich angefangen zu verlassen und mir ein paar Jerseykleidschnitte näher angesehen.

1. Tiramisu-Dress

kein Bild, weil ihr wisst, wovon ich spreche. Was hier im schwangeren Zustand bei mir nicht funktioniert, ist das relativ breite Taillenband. Bei mir sitzt es ungünstig und lässt das Kleidso doof fallen, außerdem ist der Ausschnitt bei meiner derzeitg benötigten Brustweite sehr äähh bieder.

Änderungen: Taillenband raus, Ausschnitt ändern. Sollte machbar sein. Werde ich am Wochenende direkt mal ausprobieren.

2. The Lady Skater Dress

Nachdem ich keine Inspiration und Motivation zum Nähen hatte, dachte ich daran, für diese doch kurze Zeit eventuell Kleidung zu kaufen. Also ausschließlich. Ich recherchierte und stieß auf das übliche Tal der Tränen: Slim-slim-slim-fit Hosen in deren Beine nicht mal mein Unterarm passen würde und deren Beinchen viel zu kurz sind. Kleider so kurz, das ich sie für T-Shirts hielt. Oberteile, auf denen Botschaften vermerkt sind, die ich selbst mit viel Hormon an mir nicht tragen will.

Aber immerhin diente diese Recherche der Inspiration. Bei Asos endeckte ich eine Reihe hübscher Kleider, die mir allesamt zu kurz sein werden, die ich aber hübsch finde. Ein gepunktetes Skaterkleid mit Rückenausschnitt, ein schlichtes Kleid mit U-Boot-Aussschnitt (nicht in schwarz für mich, das einzige Paar Stützstrümpfe, das ich besitzen darf, ist marine – da fällt schwarz aus). Und die rosafarbene Variante hiervon.

Oben genannte Frau Juli sollte in die Richtung gehen – der total falsche Schnitt für dieses Vorhaben. Aber Lady-Skater-Dress könnte doch eine gute Vorlage für so ein Kleid sein, oder was meitn ihr? Wenn ich das Oberteil verkürze und den Rock vorn länger schneide? Außrdem wäre hier eine Schleife für den Bauch drin 😉

3. Toni

Screen_Toni

Weil: wandelbar. Und weil ein Schnittteil für große Oberweiten bereits enthalten ist. Klingt nach einer einfachen Lösung, die viele Varianten beinhalten könnte und ich denke gerade an eine Reihe hübscher Sommerkleidchen. Mit dem richtigen Stoff müsste das sogar im Büro gehen.

 

 

4. Moneta von Colette

Screen_Colette

Ich gestehe: ich bin sehr verliebt in diesen Schnitt. Ich fürchte aber auch, dass er mit der herabgesetzten Taille alles andere als bauchtauglich ist – der dann doch vielleicht erst nächstes Jahr.

 

 

 

 

 

Der Plan: ich werde Tiramisu ändern, weil es sowieso fast fertig auf der Puppe hängt. Frau Juli wird zum Shirt umgearbeitet, die Hose mit Bauchband fertig gemacht und während ich das tue, werde ich darüber nachdenken, mit welchem der anderen Kleiderschnitte ich starten werde. Und dann hoffe ich, der Nicht-Motivation gehörig in den Arsch getreten zu haben, sodass ich endlich wieder im Rennen bin. Wenn das geschafft ist, werde ich mir die Recherchen von Sewing Addicted (ist das nicht ein HAMMER-Kleid?) zum gleichen Thema aber in Webstoff zu Gemüte führen und sehen, was sich da machen lässt. Ich freu mich drauf.

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20 Gedanken zu “#80: Was ist hier eigentlich los?

  1. Pingback: #107: WKSA 2014 Teil 1. | Bloggen. Leben. Nähen.

  2. Achso und Oberteile: du bist doch so schlank da kaufst du zur not einfach normale lang geschnittene Oberteile zwei Nummern größer die passen dann auch recht lange über den Bauch meiner Erfahrung nach (selbst mit langem Oberkörper gesegnet) wenn du keine Energie findest viele zu nähen … Das ist dann nicht so teuer wie die umstandsmode

  3. Hallo und herzlichen Glückwunsch. Das freut mich 🙂 ziemlich fruchtbares Jahr unter den nähnerds 😉
    Ich kann dich bissli verstehen. Aber glaub mir du wirst Super aussehen.
    Lg

  4. Allerherzlichste Glückwünsche! Zu meinen Schwangerschaften gab es auch fast nur schrottige Kleidung. Da ich da noch gar nicht genäht habe war ich also darauf angewiesen, was die Industrie so zu bieten hatte. Ich fand aber Wickeloberteile und Kleider sehr angenehm. Und so ein Knotenkleid ist auch sehr gemütlich und Stilltauglich, für den Fall der Fälle. Schön, zu hören, dass Deine Pause so einen schönen Grund hatte. Bin gespannt, welche Schnitte Du für Dich entdeckst.
    Liebe Grüße sendet Liane

  5. Herzlichen Glückwunsch! Das kompressionsstrumpfhosenproblem habe ich auch, naja, ist halt so…
    Ich plädiere ja sehr für Selbernähen, ich fand in meiner letzten Schwangerschaft die kaufsachen ziemlich ätzend, vielleicht hat sich das gewandelt, keine Ahnung? Deine kleiderschnitte finde ich alle nicht sooo sehr geeignet, weil die Taille so tief sitzt, du kannst sie natürlich höher setzen, aber warum nicht gleich nen empireschnitt nehmen, Tiramisu müsste doch eigentlich gehen? Mir persönlich gefallen Schnitte mit sehr weiten Röcken als Ausgangsbasis nicht, das wird mit babybauch ne seltsam tonnige Silhouette, finde ich. Und der Bauch wird irgendwann echt ziemlich dick…
    Ok, jetzt hab ich genug gemeckert, sorry!
    Alles gute dir! Wie spannend, noch eine schwangere Bloggerin, toll!
    LG, Katharina

    • ich danke dir! Nein, Kaufsachen sind immer noch furchtbar – entweder teuer und einigermaßen ok in der Optik oder Billig-Kram und sitzt nicht. Habe jetzt zwei Hosen und einen Pulli gekauft. Bei 45 Euro für ein Shirt habe ich nur laut gelacht und beschlossen, das wirklich selner machen zu können. Deine Hinweise sind allesamt richtig – ich suche jetzt mal nach Schnitten mit Empirelinie. Meine Verunsicherung ist erstaunlich groß – sicher auch, weil plötzöich so viel Brust da ist, das kenne ich ja gar nicht 😉

  6. Herzlichen Glückwunsch! Schön, dieses Jahr erwischt es ja einige 🙂
    Boah, Stützstrumpfhosen hat ich irgendwann bei der ersten Schwangerschaft auch, das ist echt die Pest, du hast mein Mitgefühl (aber es geht vorbei…!).
    Ich fand Röcke mit megabreitem Jerseybund auch sehr bequem und nicht unförmig. Kann man quasi zur Not ja auch mal „schnell“ an einen alten eher weiten Rock den man sonst nicht mehr so mag drannähen. Und ein stinknormales T-Shirt obendrüber.
    Gerade die mittigen drei vier fünf Monate sind auch wirklich schön, mit Bauch. Genieß es und lass dich nicht vom Kleidungsgedanken verdriessen oder unter Druck setzen! Man soll machen worauf man Lust hat und was einem gut tut. 🙂
    LG frifris

    • Vielen Dank! Ja Röcke scheinen mir auch eine gute Idee zu sein – Frau Siebenhundertsachen hat mich da sehr inspiriert 🙂

  7. Meine Liebe! Ganz herzlichen Glückwunsch! Ich habe in der Schwangerschaft viel Röcke getragen, fast bis zum Ende mit normalen Shirts, dann hatte ich drei Basisshirts vom Schweden, die eng geschnitten waren und das war ok. Der Vorteil bei Röcken ist, dass tatsächlich nur der Bauch dick aussieht, aber nicht der ganze Rest auch.
    Ich habe normale Rockschnitte mit Formbund genommen, den Formbund weggelassen und noch eine Bauchundung am Rand vorn ausgeschnitten und dann ein Jerseybund mit Raffung für Bauch statt Bund angenäht. Passten bis zum Ende und sind sehr viel schnellere Erfolgserlebnisse als Kleider. Ansonsten habe ich mir 2 Jurk 27 (das Wiebkekleid) genäht, die machen rel. schlank und sind stillgeeignet. Ich trage sie auch jetzt noch. Jeans konnte ich recht schnell nicht mehr tragen, weil die Schwangerschaftsjeans alle einen Zierknopf haben (wie selten bescheuert ist das??) Das war mir dann schon zu viel Druck auf dem Bauch.

    Viele liebe Grüße
    Hannah

    • Danke liebe Hannah! Du bist in der Tat meine Rock-Inspirationsquelle und ich habe da schon ein paar deiner alten Blogposts gespeichert um darauf zurückgreifen zu können 😉 Ich merke aber auch: es gibt viele Tage an denen ich nichts am Bauch haben mag und an denen ich Kleider brauche. Mal sehen, wie ich das löse. Wie ich Katharina eben schon schrieb: ich glaube die größte Irritation ist diese enorme Oberweite 😉

      • Ich hatte dieses „Nix am Bauch haben können“ ganz schlimm bei Hosen. Bei Röcken gings. Allerdings hatte ich ja einen kleinen Zwerg und dadurch auch einen kleinen Bauch und die Winterstoffe wie Wolle Cord usw sind natùlich ohnehin nachgiebiger als es Baumwolle oder Jeans sein können.

  8. Na herzlichen Glückwunsch.
    Und nachdem die Hormone sich jetzt langsam eingependelt haben, klappt es bestimmt auch mit den Nähplänen.
    Übrigens bin ich ganz Cats Meinung, man darf den Bauch ruhig zeigen.
    LG von Susanne

  9. Hab ich gar nicht gecheckt, haha. Na Glückwunsch! Mach dir keenen Kopp. Ich finde das irgendwie befremdlich, dass so viele Frauen sich dick fühlen in der Schwangerschaft. Ist doch toll und der Bauch gehört dazu. Du kannst jetzt alles tragen, worin du dich vorher schwanger gefühlt hast. Und die Idee mit der Schleife finde ich gut.
    Liebe Grüße!

    • Naja war auch schon dirksuitert, als du dazu gestoßen bist. Aber das war der Grund, warum ich dann los musste: neben den Strümpfen muss ich alle 24 Stunden Heparin spitzen und die 24 Std waren dann um 😉

  10. Meinen allerherzlichsten Glückwunsch! Ich hoffe Übelkeit und Müdigkeit sind bald weg und du kannst die Zeit wieder mehr genießen.

    Ich kann es im Übrigen so gut nachvollziehen, wie es Dir geht. Auch bei mir hat die Schwangerschaft zu einer totalen Nähblockade geführt. Während ich vorher fast nur noch Röcke und Kleider getragen habe, ist meine Jeans in der Schwangerschaft mein liebstes Kleidungsstück geworden. Obwohl hier sogar schwangerschaftstaugliche Schnitte rumliegen… Kennst du die Schnitte von Megan Nielsen? Zwei sind bei Simplicity erschienen, den Kleiderschnitt habe ich mir mal besorgt und liegt seither hier…

    Liebe Grüße
    Steffi

    • Danke dir! Witzig, oder? Ich habe viele Tage an denen ich eine der beiden Hosen die ich besitze trage – aber ich merke auch: es gibt viele Tage an denen will ich partout nichts am Bauch haben da bräuchte ich Kleider. Mal sehen, was dabei rauskommt, das hier soll ja kein Mami-Blog werden aber ich werde die Umstandsklamottenfindung sicher dokumentieren. Megan Nielsen kenne ich – aber wo bekomme ich die Umstandsschnitte? bei ihr im Shop sind die nicht verfügbar und außer des Wickeloberteils konnte ich noch keins in Europa finden. Kommst du dran?

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