Die Kugel – heute: Informationsbeschaffung.

Ich liebe das Internet. Immer und überall. Höchststrafe: langsames W-Lan oder kein mobiler Empfang.

Es gibt einen Bereich, in dem ich das Internet nicht liebe. In der Schwangerschafts-Ecke. Für mich stellt sich die Situation so dar: früher, als Familien in großen Verbünden zusammen lebten, gaben die Frauen das Wissen über alles rund ums Kinderbekommen/haben untereinander weiter. Heute passiert das eher nicht mehr. Daher stirbt zum einen Wissen aus, zum anderen steigt die Verunsicherung der Schwangeren. Und das lässt Foren, Seiten, Facebookgruppen etc. aus dem Boden sprießen – denn das Bedürfnis nach Austausch, Wissensaufbau, einer Gemeinschaft, die einen aufnimmt und deren Wissen trägt, ist immer noch da. Virtualität kann da helfen udn unterstützen – ich nehme das aber eher anders wahr. Gegen den virtuellen Raum als solchen ist nichts einzuwenden – das Internet, bzw. „mein“ Internet als die Peergroup ist durchaus Realität. Die Schwierigkeit besteht eher im Weglesen können.

Meint: wenn mir früher die Großtante einen guten Ratschlag geben wollte, den ich partout nicht hören und noch weniger annehmen wollte, so konnte ich je nach Konfrontationsfreudigkeit weggehen/ihr entgegen treten und sie bitten, die Klappe zu halten/mir anhören, was sie zu sagen hatte und dann gleich wieder vergessen. Das ist der Vorteil gesprochener Sprache. Sie ist flüchtig. Anders Forenbeiträge, geschriebene Sprache – dort fehlen die Transporthilfen der nonverbalen Kommunikation (auch wenn Emoticons diesen Job zu übernehmen versuchen). Geschriebenes wird anders rezipiert und verarbeitet als Gesprochenes. Die Folge: Grabenkriege. Glaubensmassaker. Verunsicherung. Besserwisserei. Falschinformation.

Mir stehen die Haare zu Berge, was Frauen in Foren sich gegenseitig antun. Ohne Frage gibt es dort auch viel Gutes, Hilfe und Unterstützung. Für mich persönlich überwiegen aber die negativen Aspekte, sodass ich zu Beginn der Schwangerschaft beschlossen habe, außer auf Arzt und Hebamme nur noch einer Handvoll anderer Menschen zu vertrauen und um Rat zu fragen sowie zwei, drei Bücher zum Thema zu lesen. Das Internet als Informationsquelle ist an dieser Stelle tabu für mich.

So. Seid ihr noch da? Das war länger, als gedacht aber ist der Grund, warum ich mich nach Büchern umgesehen habe. Alles, was rosa, schnucklig, niedlich oder im Titel irgend etwas mit „Mami“ trug, fiel von vornherein aus. Mein erster Besuch im Buchladen ließ mich daran zweifeln, dass Schwangere ein ernstzunehmende Zielgruppe sein können, was sich in den Regalen befand, schien Zuckerwatte über die Morgenübelkeit gießen zu wollen. Also hörte ich mich bei den mit bekannten Müttern um, was ihnen gut gefallen hat.

Babybuecher

Meine Schwester empfiehlt: „Hebammen-Gesundheitswissen„. Es handelt sich um ein Sachbuch, das sich um die Themen Schwangerschaft, Geburt und „die Zeit danach“ dreht. Ich bin etwa auf der Hälfte angelangt, irgendwo in der Mitte der Geburt. Ich mag den unaufgeregten und sachlichen Ton. Die Autorinnen sind Hebamme und Frauenärztin und diese Mischung tut dem Buch gut – es gibt keine allgemeingültigen Empfehlungen der einen oder anderen Disziplin, sondern eine ausgeglichene Betrachtung aus zwei Perspektiven auf alle relevanten Themen. Was mir besonders gut gefällt: jede Schwangerschaftswoche ist in einem kurzen Absatz ein Mal in Bezug auf die Entwicklung des weiblichen Körpers und ein Mal in Bezug auf die Entwicklung des Kindes beschrieben. Wir haben das Lesen dieser zwei Absätze zum wöchentlichen Ritual gemacht – so hat man jede Woche ein paar interessante Fakten und auch der werdende Vater kann sich besser vorstellen, was passiert. Ich lese das Buch nach und nach, nutze es aber häufig auch als Nachschlagewerk und gucke nach, wenn ich etwas wissen will.

Meine beste Freundin riet mir zu „Die Wahrheit übers Kinderkriegen“ von Livia Görner, einer bekannten Hamburger Hebamme. Auch dieses Buch habe ich noch nicht ganz durch. Aber: ich habe es letzte Woche gekauft und habe es nahezu verschlungen. Die Autorin ist das, was man bei uns in der Heimat als „quadratisch, praktisch, gut“ bezeichnen würde. Zuckerwatte hat sie nicht im Angebot, dafür klare Worte zu Schwangerschaft, Wochenbett, Vaterschaft & Co. Ihre Meinung ist klar und deutlich. Mag ich ja sehr, so etwas. Auch wenn ich ihre Meinung nicht immer teile – sie steht z. B. Vätern im Kreißsaal eher kritisch gegenüber – verstehe ich, was sie meint und lasse mir ihre Argumente gern durch den Kopf gehen. Sie spricht eindeutige Worte zur Ideologisierung des Stillens – frei zitiert: „deine Pflicht ist es nicht, zu stillen, sondern dein Kind satt zu bekommen“. Zur Eventisierung des Wochenbetts: „zehn Wochen Ruhe und Kennenlernen“ und dem Dahinschwinden der weiblichen Wissensweitergabe aufgrund der Auflösung der Familienverbünde: „Manchen Müttern bringe ich das Kochen eines Grießbreis bei“. Wer den Ton leiden kann, wird hier viele Informationen finden, über die Frauen sonst nicht sprechen.

Der Klassiker „Ein Kind entsteht“ hat mir selbst als Teenie vor vielen Jahren die Ereignisse in der Schwangerschaft erklärt. Ich war zwölf Jahre alt, als meine Mutter mit meiner jüngsten Schwester schwanger war und dieses Buch haben wir vielfach in unserer Familie angesehen und diskutiert. So liegt es auch heute bei uns im Wohnzimmer und wann immer die Wochenend-Kinder bei uns sind, verbringen wir die ein oder andere halbe Stunde damit, uns die Bilder anzusehen und über das Baby in meinem Bauch zu sprechen. Das Buch war auch der Grund aus dem ich meinem 5jährigem Patenkind neulich mal eben den Unterschied zwischen einer vaginalen Geburt und einem Kaiserschnitt erklären musste. Puh. Das war interessant.

Wo informiert ihr euch? Informiert ihr euch überhaupt? Was lest ihr?

 

 

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4 Gedanken zu “Die Kugel – heute: Informationsbeschaffung.

  1. Hallo! Danke fürs Verlinken meines Rezeptes!

    Du machst das genau richtig. Ich wünsche Dir ganz viel Gelassenheit und eine spannende schöne Zeit! 🙂

    (Wenn Du magst, kannst Du mal in meinem Schwangerschaftsblog vorbeischauen, da habe ich ein paar Informationen zusammengesammelt.
    http://quadratzahl.blogspot.de )

  2. Ja, auch zu diesem sensiblen Thema gibt es mehr Meinungen und Haltungen als Menschen, die sich dazu äußern. Und leider vertreten auch hier viele ihre Position als die einzig richtige und urteilen folglich über alle anderen.
    Meine Meinung (und da bin ich selbst immer noch im Wachsen, Werden und Verändern):
    In sich selbst hinein hören, sich seiner und des Kindes bewusst werden, auf das Bauchgefühl vertrauen und sich davon leiten lassen!
    Das kann zu ganz verschiedenen Entscheidungen führen (Welche Untersuchungen „brauche“ ich? Wen bitte ich um Rat? Wie stelle ich mir mein Leben mit Baby vor [Was nicht bedeutet, dass es auch wird ;-)] – wichtig ist nur Entscheidungen bewusst zu treffen!
    In meinen drei Schwangerschaften war ich nicht „immer gleich drauf“, bin manches unterschiedlich, manches gleich angegangen – und sicher, dass es stets GUT war, für mich UND das Kind.
    Es gibt so vieles, was die Schwangere (und damit auch Schwangerschaft und die Zeit danach) verändert: eine vorausgegangene Fehlgeburt, Verlauf der Schwangerschaft, die persönliche Situation…
    Wer will da Richter sein?!?
    Was für mich heute gut ist, sehe ich morgen vielleicht schon ganz anders – und eine andere sowieso!
    Also: Vertrauen wir doch darauf, dass eine Schwangerschaft eine kollektive, aber eben auch ganz individuelle Sache ist, freuen wir uns daran in ihrer Verschiedenheit und unterstützen einander!
    Dir weiterhin viel Freude an dieser besonderen Zeit!

  3. Ina may gaskin – die Selbstbestimmte Geburt
    Und „Geburt und stillen“ von odent

    Haben mich viel verstehen lassen von den Mechanismen die unter der Geburt greifen. Vor allem das zweite eher sachlich und sehr ehrlich, aber so wie ich dich hier lese könnte das was sein für dich.

    Alles gute weiterhin!!!

  4. Ich habe während der Schwangerschaft erstmal nichts gelesen. Lies das alles auf mich zukommen. Erst zum Ende hin habe ich ein bisschen in der Hebammenpraxis geblättert. Nach der Geburt habe ich mich mehr nach Fachwissen gesehnt. Ich war nicht die überzeugte Stillmama und fragte mich oft, ob das alles seine Richtigkeit hat. Hilfreich fand ich das Buch „das stillbuch“ von Hannah Lohtrop.

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