#93: Maternity Me Made: Der Blumensack.

Es war einer dieser heißen Hamburger Tage, die Kompressionsstrümpfe machten mich kirre und ich sehnte mich nach: luftig, leicht, locker. Zudem hatte ich wochenlang nur Jersey verarbeitet. Meine Sehnsucht nach Webware war mindestens so groß, wie die nach luftig. Bei burda entdeckte ich einen Schnitt, der für Webware geeignet ist – Umstandsschnittmuster sind meist für Jersey oder retro (wofür derzeit meine Geduld nicht ausreicht). In dem Glücksrausch, der einsetzte, nachdem ich es gekauft hatte, bestellte ich blumige Viskose bei stoffe.de (mittlerweile ausverkauft). Weil: luftig.

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Der Zuschnitt: ein Desaster in vier Akten.

Erster Akt: Schnittmusterrockteile sollen im schrägen Fadenlauf zugeschnitten werden. Ich mag schrägen Fadenlauf nicht, da mache ich dauernd blöde Fehler.

Zweiter Akt: Viskose in Gänze und, biteschön, gerade und nicht verzogen auslegen. Witzig. Nach zwei Stunden auf dem Fußboden folge der

Dritte Akt: alles auf Anfang. Spannbettlaken auf Tisch gezogen, Viskose ganz ausgelegt. Schräger Fadenlauf und Stoffmenge gehen nicht zusammen.

Vierter Akt: Zuschneiden, entgegen der Anleitung, im geraden Fadenlauf.

Genäht habe ich, als ob ich rohe Eier unter der Maschine hätte. Der Stoff ließ sich nicht stecken, nicht bügeln und verzieht, sobald man ihn schief ansieht. Schlussendlich habe ich nur das Nötigste mit der Nähmaschine gemacht und den Rest mit der Overlock verarbeitet, um nicht immer nähen und versäubern zu müssen.

Die erste Anprobe ließ mich laut lachen: aufgrund der Stoffknappheit hatte ich darauf verzichtet, die üblichen fünf Centimeter anzuschneiden. Die Originallänge reichte. Bis Mitte Wade. Die Folge: ich sah aus wie eine Patientin aus einer 1980er-Jahre-Krankenhausserie. Ich hatte einen Blumenkrankenhauskittel erschaffen! Also 20 cm Saum abschneiden – wisst ihr, welche Überwindung mich das gekostet hat? Mache ich ja sonst nie. War aber besser.

Burda sieht vor, dass ein seitlicher Reißverschluss eingearbeitet wird, der fast bis an den Ärmelsaum heran reicht. Den hatte ich unter Schmerzen eingebaut um dann festzustellen, dass er überflüssig ist – der Stoff dehnt sich massiv aus, ich kann das Kleid über den Kopf anziehen. Also RV wieder raus, an allen Seitennähten noch mal drei Centimeter rausgenommen und gesäumt. Siehe da – der Blumen-Sack bleibt ein Sack, aber einer, der mir gefällt. Ich habe das Kleid bereits mehrfach angehabt – und liebe es bei heißen Temperaturen sehr. Schade ist, dass der Stoff wirklich eine bescheidene Qualität hat: ich musste bereits mehrere Löcher stopfen und nach der Wäsche ausgerissene Nähte neu arbeiten. Er verzieht sich stetig weiter und hängt, wie auf der Puppe zu sehen, immer schiefer. Aber mehr als mich durch diesen Sommer zu begleiten soll es ja auch nicht. Und daher: Alle Daumen hoch für den Blumensack!

 

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5 Gedanken zu “#93: Maternity Me Made: Der Blumensack.

  1. Hallo Katarina, bin gerade auf deinen Blog gestoßen und musste schon viel herzlich lachen. Schade, dass du nicht ganz zufrieden mit der Qualität des Stoffes bist aber hauptsache das Kleid ist bequem finde ich! Und der Stretch ist ja eigentlich perfekt geeignet für ein Schwangerschaftskleid – dein wachsender Bauch soll ja auch in ein paar Monaten noch reinpassen! Von mir also auch alle Daumen hoch 🙂

    Liebe Grüße,
    SewReal

    PS: Schau doch gerne auch mal auf meinem Blog vorbei!

  2. Pingback: # 95: Tragefotos vom Blumensack. | Bloggen. Leben. Nähen.

  3. Bitte Tragefotos, Tragefotos, Tragefotos 🙂 Dieses Schnittmuster ist mir völlig entgangen, dabei war ich in den vergangenen Wochen auch so sehr auf der Suche nach schönen (!) Baby-Bauch-Bekleidungsschnitten und habe am Ende völlig verzweifelt und sehr einseitig 4 Knotenkleider und 6 Washi-Dresses genäht…

    Alles Gute, viele Grüße,
    Stefanie

  4. Hallo, ich schmökere gerne hin und wieder in deinem Blog. Genau diesen Stoff habe ich gerade auch unterm Nähfüßchen. Ich liebe ihn ja wegen des Musters und weil er sich so schön zart anfühlt und – genau – Luftigkeit verspricht. Dafür habe ich ihm auch verziehen, dass er so fummelig zu handhaben ist. Noch ist das Kleid nicht fertig, ich bin aber in den letzten Zügen. Aber dass er die Wäsche bei dir nicht verträgt, missfällt mir. Nicht dass alle Arbeit und Vorfreude am Ende vergeblich ist. Das Kleid soll mindestens ein paar hundert Jahre halten.

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