#113: Stoffmesse Hamburg – die 2. Chance.

Es ist so: wenn ich es schon nicht schaffe, richtig (im Sinne von: Erwachsenenkleidung idealerweise für mich und aus Webstoff) zu nähen, dann könnte ich ja wenigsten Stoff kaufen und mir neue Trends angucken gehen. Dachte ich mir so, als Christine von stoffe.de mich einlud, auf der Stofmesse Hamburg vorbei zu gucken. Da war doch was? Richtig, im letzten Jahr fand ich es unterirdisch. Weil: nur Kinderjerseys und Patchwork-Kram, viel zu voll und nervig.

Eine zweite Chance soll aber jeder bekommen, zumal ich gehört hatte, dass einige Dinge anders laufen sollten, daher folgte ich der Einladung und fuhr gestern Mittag samt Mr H gen Schnelsen. Im Auto. Weil der Standort zwar nur knapp sieben Kilometer von meinem Zuhause entfernt ist, die Anreise am Sonntag per Bus aber über eine Stunde dauern würde und ich mit Baby darauf wirklich keine Lust hatte. Zunächst suchten wir über eine halbe Stunde einen Parkplatz. Die waren zwar reichlich vorhanden aber allesamt belegt. Das sehr nette Einweiser-Team war leider auch sehr ratlos, schlussendlich brachte die dritte Runde dann einen Parkplatz.

Mr H und ich stürzten uns ins Getümmel. Neu waren: breitere Gänge, mehr Platz für die Stände und eine zweite Etage. Toll! Genauso wie letztes Jahr war: das Angebot. Auf Twitter fasste ich es auf Nachfrage von Dana so zusammen:

Während ich durch die Gänge wanderte, beschlichen mich die gleichen Gedanken, wie die, die Frau Crafteln gestern Abend noch aufschrieb. Nähnerds sind offenbar nicht die Zielgruppe. Wenn ich mir das Angebot auf der Messe und den Märkten, in vielen Shops und auch in realen Läden ansehe, scheint es, als ob man mit Kinderjerseys, Applikationen und Patchwork richtig gut Geld machen kann. Wohingegen der Verkauf von Material, das zur Erstellung der eigenen, erwachsenen Garderobe geeignet wäre, eher zu suchen ist. Natürlich gibt es diverse Shops, die ein entsprechendes Angebot machen – ich bestelle regelmäßig bei stoffe.de, Stoff & Stil, bei einigen Ebay-Händlern und gehe offline zu Karstatd in der Mönckebergstraße, alle Jubeljahre mal zu Mahler Stoffe, hin und wieder zu Frau Tulpe und wäre Winterhude näher wäre, so sicher auch zur Glücksmarie.

Dennoch: mir fehlt ein Angebot, wo ich alles unter einem Dach habe – egal ob on- oder offline. Schöne Stoffe und weiteres Material um schöne Nähnerd-Mode erstellen zu können. Eine schlaue Freundin würde an dieser Stelle jetzt sagen: warum nicht selber machen? Ja, warum eigentlich nicht? Was meint ihr: ein eigener Nähnerd-Shop? Oder besser noch, ein Netzwerk aus Nähnerdshops, die zusammen arbeiten, um Nähnerds ein perfektes Angebot zu machen. Netzwerk gefällt mir noch viel besser … wo kauft ihr und was fehlt euch?

Advertisements

8 Gedanken zu “#113: Stoffmesse Hamburg – die 2. Chance.

  1. Ich habe ja derzeit ein bißchen Einblick in Stoffeinzelhandel und betreibe dabei Käuferstudien, und ich habe auch den Eindruck, dass die Gruppe der Nähenden, die tendenziell viel Geld für hochwertige, erwachsene Stoffe ausgeben würden, verhältnismäßig klein ist. Dazu kommt, dass bunt, auffällig, gemustert im Laden mehr hermacht, und die Leute kaufen das, was sie sehen, was ihnen besonders ins Auge fällt. Die subtile Schönheit von Woll-Kammgarnstoffen kann sich nicht durchsetzen gegenüber buntbedruckten Patchworkstoffen. Und bei einem auffälligen Marken-BW-Jersey mit einem wiedererkennbaren Muster bekommt der Durchschnittskunde – subjektiv nach Bauchgefühl – mehr für sein Geld, als bei einem einfarbigen Wollstoff, auch wenn er sehr hochwertig ist. Das Hochwertige springt nicht sofort ins Auge, dazu braucht man Wissen und Erfahrung. Ich finds immer sehr spannend, wenn Modedesignstudierende im Laden Stoffproben kaufen, wie die im Gegensatz zur Durchschnittskundin Farben, Texturen, Materialien zusammenstellen. Oft suchen die sich Stoffe aus, von denen wir vorher noch nicht ein Stück verkauft hatten.
    Aber auch wenn gesteigertes Nähnerdtum (so nenne ich es mal) eine Nische ist, könnten spezialisierte Geschäfte bestimmt davon leben. Und solche Läden gibt es, wenige, aber man muss sie eben erst finden. Was mich dazu bringt, dass ich noch eine Ladenbesprechung im Entwurfsordner hab, die ich endlich mal fertig machen muss.

  2. Was ich mir wünsche? Nun, Seide gute Wollstoffe in ansprechenden Farben (Tweed oder Tartan), Muster wie man sie in den 60er Jahren hatte, transparente Stoffe, mit denen ich mir moderne Kleidung ohne „Kindergarten-Tourch“ machen kann / vielleicht auch mal Neopren
    – das meiste finde ich sogar im örtlichen Stoffladen, zu akzeptablen Preisen (zwischen 12 und 18 Euro für Wolle mit Schottenkaro oder Burberry-Karo).

    Was mich auf solchen Messen und auch Märkten abschreckt, sind die drängelnden Menschenmassen – da kann man doch gar nichts richtig in Ruhe betrachten.

    LG
    Ulrike

  3. Hallo,
    Kann ich schon verstehen, den Frust und hätte nicht geglaubt, dass Stoffkauf in Hamburg so schwierig ist. Doch hier in Berlin sind die Läden oft weit voneinander entfernt. Komm doch im Mai samt M. H. her und mach dann den maybachmarktbesuch…Stoff und Stil gibt es hier jetzt auch und noch viel mehr. Aber wenn ich was Bestimmtes Suche,,klappt das oft auch nicht gleich.
    LG schurrmurr

  4. Ich selbst habe einen kleinen Nähladen in Hamburg und war auch auf der Stoffmesse vertreten. Die meisten Händler haben auf der Stoffmesse nur einen Auszug ihres Sortiments zeigen können. Es ist schier unmöglich alles mitzubringen. Die Standgebühr ist hoch und so muss man das Angebot beschränken. Mit einem Händler wie Stoffe.de kann man als normales Einzelhandelsgeschäft nicht mithalten.

    Die Nachfrage nach „Erwachsenenstoffen“ ist bei mir im Laden leider sehr gering. Immer wieder versuche ich es und bestelle z.B. Bedruckte Viskosejerseys, leichte Viskosestoffe und Wollstoffe verschiedener Art…. Und immer wieder muss ich diese dann extrem reduzieren, um sie überhaupt loswerden zu können. Die Standard-Kundin verwendet Baumwolljerseys und bedruckte Baumwollstoffe, diese unterscheiden sich meist nicht von den Patchwork- bzw. Kinderstoffen. Gerade die amerikanischen Patchworkstoffhersteller haben wunderschöne weiche Baumwollbatists, aus denen man Blusen oder Röcke hervorragend nähen kann. Leider sind sie jedoch meist etwas teurer, weil sie ja auch nur 110cm breit sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Kundinnnen bereit sind, für eine Bluse dann z.B. 2m eines Patchworkstoffes zu kaufen, der dann vielleicht um die 18€/m kostet.

    Nebenbei gesagt macht man nicht „richtig gutes Geld“ mit dem Verkauf von Patchworkstoffen. Die meisten Patchworkerinnen kaufen 20cm pro Stoff, da dauert es oft lang bis ein Ballen verkauft ist.

    Was für Stoffe wünscht du dir? Welche Qualität? Was bist du bereit auszugeben?

    Gern höre ich von dir oder freue mich über einen Besuch in meinem Laden.

    Viele Grüße, Claudia

    • Liebe Claudia,

      vielen Dank, dass du dich meldest und die Verkäuferperspektive mit einbringst.
      „richtig gutes Geld“ sollte übrigens kein Angriff sein – ich vermute nur, dass hier Potential liegt, welches bei den Stoffen, die ich mir wünsche, offenbar nicht vorhanden ist.
      Welche Stoffe ich mir wünsche fragst du und was ich bereit bin, auszugeben. Nun, mich schrecken hohe Preise – also ab 15 Euro pro Meter aufwärts nicht. Sofern die Qualität stimmt. Qualität definiert sich für mich über einige Kriterien: Verarbeitungsqualität – sprich der Stoff verhält sich in der gesamten Verarbeitung gut. Dazu gehört u.a. auch, dass ein Streifen-/Karostoff so liegt, dass ich ihn zuschneiden kann, ohne einen vollen Abend mit Mustersortierung zu verbringen. Qualität zeigt sich auch, wenn ein Stoff getrennt wird. Wenns nciht gerade ein sehr feiner Stoff ist, möchte ich kein ausfransen, flusen o.ä. haben. Am wichtigsten ist mir aber die Lebensdauer, denn nichts ist ärgerlicher, als lange Zeit und auch Geld in ein Projekt investiert zu haben und es dann nach drei Mal waschen zu verlieren. Ich wünsche mir reine Qualitäten – also weniger Mischzeugs als reine Baumwolle, reine Wolle usw. und wenig Polyester etc. Ich wünsche mir Stoffbreiten von 150 cm denn ja diese 110-cm-Geschichte nervt mich nciht nur wegen des erhöhten Verbrauchs sondern vor allem wegen oft zu hohen Verschnitts. Worauf ich verzichten kann, sind Bio-Qualitäten. Hingegen würde mich der Hinweis auf regionale bzw deutsche Produktion zum Kauf animieren.
      Auch wenn ich häufig große Mengen brauche – drei Meter für ein Kleid ist mein Standard – bin ich bereit, Geld zu investieren – ich kaufe kaum Kleidung, da darf das Material schon so viel kosten, wie der Einkauf im Laden, denn meine Arbeitszeit rechne ich nicht, das ist mein Hobby. Was ich im Laden im Gegensatz zum Onlinehandel noch sehr schätze ist Beratung bzgl Qualitäten und Verarbeitung – das Anfassenkönnen.
      Welche Stoffe hätte ich also gern? Ich hätte gern klassische Wollstoffe für Hosen und Röcke, modische Kleiderstoffe in verschiedenen Qualitäten – mal leicht, mal schwer fallend je nach Schnittmuster, das ich verwenden möchte. Ich hätte gern Muster, die jenseits von Punkten/Streifen/Sternen sind aber eben auch nicht Ulla Popken schreien. Ich hätte gern qualitativ hochwertige Unis, in besonderen Qualitäten. Sprich: ich würde beim Stoffkauf gern etwas weniger Klamottenschwede und etwas mehr heinmische Handarbeit haben.
      Und in deinen Laden werden Mr H und ich uns demnächst mal aufmachen!
      LG

      Katarina

    • Also ich gebe auch gern mehr Geld für den Stoff aus, wenn sich das eben qualitativ niederschlägt. Plastikchiffon für 15Euro/m sicher nicht, aber ich nähe ja auch gerade weil ich tolle Kleidung haben möchte – dazu zählt neben dem Aussehen auch die Qualität. Ich würde mir mehr fließende Stoffe in klaren Farben und Mustern wünschen, mehr Wollstoffe, die auch für Kleider geeignet sind, mehr undehnbare Stoffe, mehr Streumuster, weniger schwarz. Bitte keine Streifen, Sterne oder Punkte – ehrlich, ich habe langsam eine echte Pünktchensperre. Und unbedingt mal eine anständige Farbpalette im Stoff – gefühlt kriegt ja nur entweder zweifarbig oder kunterbunt. Drei bis vier passende Farben wäre viel spannender. Passende Stoffe unterschiedlicher Stärke wären dann die Krönung – ein standhafter Rockstoff, der die Grundfarbe aufgreift vom lockeren, bunteren Blusenstoff dazu wäre ein Traum.

      Tja, soviel zu meinen Wünschen.. 🙂

  5. Hallo Katarina, du sprichst mir aus der Seele! Ich habe auch festgestellt, dass die Eulenhosen-mit-lustigen Pilzen-drauf-Jersey-Fraktion eindeutig die größere ist. Dürfen sie ja auch, ich kann damit nur auch nichts anfangen, ohne Kind schon gar nicht. Ich muss immer ein bisschen schmunzeln, wenn du versuchst, nicht komplett in die „Muddi-Ecke“ zu rutschen, scheint doch ganz gut zu klappen. Von meinen Freundinnen hat es leider nur eine geschafft auch mal von was anderem zu reden. Ich kaufe auch gerne bei Stoff & Stil, was in Hessen leider nur online geht. Ansonsten ist der Rote Faden ganz gut oder ich gehe in die örtlichen Stoffläden, die aber auch eher besagtes Publikum ansprechen möchten. Ein eigenes Geschäft hochzuziehen ist natürlich ein Wagnis, ich hätte dazu wahrscheinlich nicht die Nerven… Vielleicht sollten wir Nähnerds uns einfach noch ein bisschen mehr mit ein paar Geheimtips auf einem kleinen aber feinen Forum austauschen, das würde schon viel helfen.
    Liebe Grüße, Nadine

  6. Selbermachen ist zwar grundsätzlich eine gute Idee, aber ich fürchte, auch wir Nähnerds haben – trotz bestimmter Lemmingmoden – auch immer noch sehr unterschiedliche Wünsche, Vorlieben und Ansprüche.

    Trotzdem lohnt es sich, genauer nachzudenken, welcher Art diese Ansprüche sind. An dem Thema bleibe ich auf jeden Fall dran – vielleicht erfüllt dann ja jemand anderes meine/unsere Wünsche.

Sag mir Deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s