#119 Stoffwechsel – ich bin dabei.

Es ist so: ich habe eine postpartale Nähdepression. Das war ja an der ein oder anderen Stelle hier schon lesbar. Dann kam die von mir seit langem hochgeschätzte Frau Siebenhundertsachen und fragte, ob ich, sozusagen als Gegenmittel, evt beim Stoffwechsel mitmachen wolle. Spontan schob ich alle Bedenken sowie zeitlichen Nöte zur Seite und sagte zu. Und nun sind wir hier, beim ersten Treffen – dem Nähsteckbrief. Ich bin sehr aufgeregt und hoffe, schönen Stoff für meine Tauschpartnerin zu finden und freue mich natürlich auch auf die Überraschung, die mich erwarten wird. 

Ein herzliches Dankeschön geht an Frau Siebenhundertsachen und die Frau mit den schönsten und ausgefallensten Kleidern unter der  Nähnerdsonne, Lotti, die sich die Mühe machen, den Stoffwechsel zur organisieren. Ihr seid toll – vielen, vielen Dank!

Hier also mein Nähsteckbrief:

Was nähst du am liebsten für dich?

Kleider. Direkt gefolgt von Röcken. Im Anschluss daran: Oberteile.

Hast du dir für diese Frühjahrs/Sommersaison Pläne gemacht, etwas bestimmtes vorgenommen? Was wirst du wohl als nächstes nähen wollen?

Ich stecke in einer post-schwangerschftsbedingten Nähkrise. Mein Kopf ist voll von Ideen, die ich alle schnell wieder verwerfe, weil: ich meinen neuen Körper noch nicht so kenne, dass ich mal eben schnell etwas für ihn nähen könnte. Andererseits habe ich wenig Zeit, sodass gelingsichere Kinderkleidung schneller und einfacher erscheint, als komplizierte Frauen-Bekleidung.

Darum gilt es, konzentriert vorzugehen. Ziel des Sommers ist es, auf jeden Fall ein Webstoff-Kleid für mich genäht zu haben. Ich habe diverse, nicht genähte Schnitte liegen.

Die Glaubensfrage: Webstoff oder Jersey? Oder doch beides?

Webstoff, Webstoff und Webstoff. Was hat er mir gefehlt – genug gejammert habe ich ja darüber. Nun soll er endlich wieder Einzug halten in meinem Nähleben.

Welches Material vernähst du am liebsten (z.B. Viskose, Baumwolle, Wolle, …) – gegen was hast du eine (starke) Abneigung?

Beginnen werde ich mit den Abneigungen, denn daraus ergibt sich der Rest ziemlich flott. Ich mag weder tragen, noch nähen: Samt / Pannesamt, Satin, Tüll, Cord, Nicki, reines Polyester, Fleece, Frottee.

Sehr gern habe ich dagegen Georgette, Wollstoffe, Popeline, Chiffon (den trage ich sehr gern traue mich aber kaum, ihn zu vernähen) und Chambray oder (Baumwoll)Voile. Da ich eher wenig mit Mustern arbeite, mag ich Stoffe, die auch ohne Muster eine Seele haben. Klingt esoterisch, ist es aber nicht. Wichtig ist, dass der Kunstanteil bei max 50% liegt, denn ich habe eine Neurodermitis, die es besonders gern hat, wenn sie es sich in Kunstfasern bequem machen kann.

Was sind deine Lieblingsfarben, welche stehen dir gut? Welche gehen gar nicht?

Nach einer sehr, sehr, sehr langen Phase, in der ich alle, was irgendwie aus der Region Pink kam, genäht, getragen und geliebt habe, ist diese Liebe erkaltet, aber nicht zu Ende. Ich stelle gerade fest, dass ich zu Aqua-Tönen neige – türkis, bleu, türkisblau, tiefe seegrün Töne. Aber auch Grau in allen Schattierungen geht immer. Ebenso wie alle Blautöne. Koralle jetzt im Sommer, oder auch silber.

Eher selten trage ich schwarz. Wirklich gar nicht trage ich: rot (in allen Schattierungen, die nicht ins Pinke gehören), gelb, braun, grün.

Welche Muster magst du? Groß oder klein? Blumen, Streifen, Punkte? Oder sind Muster vielleicht gar nicht so deins?

Muster und ich sind ja eher begrenzt miteinander. Ich habe viele gemusterte Stoffe im Lager – von denen ich dann nicht weiß, was ich damit anstellen soll. Eine sichere Bank sind Querstreifen auf Jerseyshirts, die ich aber nicht mehr so recht sehen kann. Streublümchen reizen mich sehr, ich trau mich aber nicht so richtig, vermutlich aus der Angst heraus, albern auszusehen – 1 Meter 80 als Streublumenwiese kann albern werden. Große, arrangierte Blumenmuster finde ich toll, wenn sie in den richtigen Farben daherkommen aber auch hier gilt: ich traue mich nicht.

Wenn ich gemusterte Kleidungsstück erinnere, die ich sehr mag sind mir vor allem zwei in Erinnerung: die Flamingo-Bluse und das erste Cambi-Dress vom dem ich leider kein Bild habe, aber nachreiche, sobald ich an diesem Wochenende die Kiste gefunden habe, in der es lagert. Stoffe, die ich lange liegen habe, weil ich sie so mag sind mit Kolibris oder kleinen Vögelchen bedruckt. Schwalben hätte ich gern mal unter der Maschine. Scheine ich Vogel-Stoffe zu mögen?

Geht gar nicht (mehr): Punkte, Pünktchen, meliert, Jacquard, ethno, Sterne, Querstreifen, Mustermix (so Karo mit Blume mit was-weiß-ich), alles allzu kindlich-niedliche wie Füchse, Eulen etc. Und ich habe eine Karo-Sperre – zumindest im Sommer.

 

Was sind die Kleidungsstücke, die dir (in letzter Zeit) in deinen Augen am besten gelungen sind? Sind welche dabei, die du vor allem wegen ihres Stoffes magst?

Definiere „in letzter Zeit“. In meinem Fall würde ich sagen: vor der Schwangerschaft. Mein liebstes Kleid, da war ich bereits schwanger, wusste es aber nicht, das 1940’s Tea Dress. Braucht dringende Wiederholung, in ca minus sieben Kilo. Da passte einfach alles: Stoff, Schnitt, Farbe.

In die Kategorie „Stoff mit Seele“ fällt mein Weihnachtskleid 2013. Sicher schon 40 Jahre alt, unbekannte Zusammensetzung aber toll zu verarbeiten und mit diesem Geruch, den gut abgelagerter Stoff mit sich bringt.

Dazu gehört auch mein geliebter blauer Faltenrock, dessen Stoff mindestens genauso alt war und auf den ich mich sehr freue, ihn wieder tragen zu können. Ebenso der graue Woll-Hollyburn (2. Bild im Post).

 

Wieviel Stoff verbrauchst du ca. für einen Rock, ein Oberteil, ein Kleid? Welche Mindestmenge benötigst du für die Verarbeitung? Oder hast du sogar ein Maximalmaß für Stoff?

Bei einer Breite von 1,40 Meter kaufe ich Stoffe, die ich ohne konkretes Schnittmuster, nur mit einer Idee, einkaufe so ein:

Rock: 1,50 Meter

Kleid: 2,50 Meter

Oberteil: 1 Meter

 

Gibt es sonst noch etwas, das dich als Näh-/Stofftyp in deinen Augen ausmacht?

Ich neige nicht zum Verspielten – oder andersrum: ich mag die sichere Bank von der aus ich Neues versuchen kann, aber eher geradlinig. Ich brauche wenig Schnickschnack, habe Accessoire-Legasthenie und liebe es, Schnitte, die gut sind, immer wieder zu nähen.

Und nun auf zum Stoffwechsel-Link-Tool.

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2 Gedanken zu “#119 Stoffwechsel – ich bin dabei.

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