#127: Stilwechsel.

Die Zeit der Webstoffkleider und -röcke ist für mich vorbei. Vorerst.

Es hat ja nur anderthalb Jahre gedauert, bis ich es eingesehen habe und aufschreiben kann. Laut gesagt habe ich den Satz allerdings noch nicht. Es ist so: etwa anderthalb Meter meines Kleiderschranks füllen meine Kleider und Röcke. Getragen habe ich davon in den letzten 18 Monaten: Null. Muss man nun also anderthalb wertvolle Schrankmeter weiterhin mit Kleidung belegen, die zum derzeitigen Leben nicht passt? Nein, denke ich und werde zwei, drei der vielen Umzugskartons auf unserem Dachboden damit füllen. Um Platz zu machen für etwas Neues.

Etwas Neues, das zu meinem heutigen Ich passt. Dass Breiflecken verzeiht. Dass Patschehände, die eben noch im Dreck gewühlt haben, verträgt. Etwas, in dem ich in die Hocke gehen kann, ohne dass es mich einengt, etwas in dem ich spontan einen Sprint einlegen kann, das spontan einsetzenden Regen eine Fußstunde von zu Hause entfernt aushält, etwas das geklettert und geschmust werden kann, auch wenn der kleine Mund noch voller Apfelmus klebt. Etwas in dem ich mich nach mir fühle und mir nicht verkleidet vorkomme. Etwas, das passt. Etwas, das akzeptiert, dass hier noch einige Kilos mehr sind, als vor der Schwangerschaft. Etwas, das akzeptiert, dass mein Körper anders fühlt und anders ist, dass mir hilft, diese Veränderung anzunehmen. Etwas das der ländliche Einzelhandel nicht im Angebot hat, etwas mit Stil obwohl es auf die Mutti-Uniform hinaus läuft.

Was kann das sein? Auf meinem Inspirationsstreifzug durch das Internet bin ich bei der Frau gestartet, deren Stil ich sehr, sehr liebe. Die so authentisch wie kaum eine andere in ihrer Kleidung ist und die aus Notwendigkeiten eine Tugend machen kann. Sinje. Linden-Sweater, schwarze Jeans, Ballerinas. Origami-Rock, Shirt, Sneaker. Mal ein Hauch Grau. Sporty Fashionista. I <3. Meine erste Idee: ein Sweater muss her – nein nicht so etwas mit kreisrunden Taschen und Applikationen und aus Kinderstoff, eher etwas locker geschnittenes, Raglan, schlicht, passend zu meiner grauen Lieblingsjeans, evt vorn kürzer als hinten.

Linden ist schon toll.

Sehr cool auch Fraser von Sewaholic – wobei mir hier die Armschnittführung nicht so richtig gefällt, es könnte sein, dass das ein Schwitzklemmer wird.

Auf meiner Recherchereise bin ich in neue Gefilde vorgedrungen. Deutsche Schnittmusterdesignerinnen, die vornehmlich Jersey oder Sweat verarbeiten. Alice von Prülla finde ich überraschend großartig. Allerdings hat meine Beispielsuche ergeben, dass es häufig nicht ganz so hübsch sitzt wie an der Designerin selbst. Einen Versuch mit dünnem Seat könnte es wert sein.

Viel gelobt wurde im Netz immer wieder dieses hier:

Ich hänge ein bisschen – evt ist mir das schon einen Hauch zu … pfiffig. Zu nah an kreisrunden Taschen und Kinderstoff. Vielleicht bin ich aber auch phantasielos.

Ich werde mal etwas rumprobieren. Ein bisschen Stoff bestellen und vorsichtig ausprobieren, wohin es mich zieht. Was ich nicht ganz lassen möchte sind ein Herbst und Winter in Rock/Kleid und Stiefeln. Dafür muss schon mal eine Leggings her. Roxie aus der ersten La-Maison-Ausgabe könnte einen Versuch wert sein. Und dann ein Origami-Rock dazu? Ich habe einen, den ich so geliebt habe, dass er auseinander fällt und kann mir trotzdem nicht vorstellen, noch einen zu nähen. Trägt am ohnehin geschundenen Bauch sehr auf. Habt ihr eine Idee für einen bequemen und komfortablen Rockschnitt, der Babyalltag und Homeoffice mitmacht?

Und die Kleider? Ich bin fest entschlossen, gegen meine Jerseykleid-Aversion, die mir aus der Schwangerschaft geblieben ist, anzugehen. Eventuell muss ich mal eine andere Form ausprobieren. Moneta von Colette Patterns etwa.   Besser noch Davie von Sewaholic:

Wobei ich mich sehr in das Ariel-Kleid (leider online nicht auffindbar) aus der aktuellen La Maison verliebt habe – vielleicht doch ein Webstoff, aber mit Stretch? Bliebe aber die Herausforderung, dass Strumpfhosen nun wirklich gar nicht babytauglich sind.

Farblich bin ich bei Sinje: grau, schwarz. Ich ergänze dann noch mit blau und ein paar Aqua-Tönen. Etwas pink eventuell.

Advertisements

27 Gedanken zu “#127: Stilwechsel.

  1. Pingback: #133. Me Made Mittwoch. | Bloggen. Leben. Nähen.

  2. Deinen Post finde ich sehr interessant. Wir machen alle Phasen des Umbruchs durch, die sich auch durch einen veränderten Kleidungsstil äußern. Als meine Kinder klein waren, bin ich fast nur noch mit Sneakern und Jeans rumgelaufen. Nach einer Phase der Kleider-hohe-Schuhe als Kontrastprogramm, groove ich mich mittlerweile ein. Ich habe gemerkt, dass ich an den Tagen, die ich im Home-Office arbeite, andere Kleidung brauche, als an Büro-Tagen. Da habe ich es gerne bequem und eher sportlich-schick. Vintage war noch nie meins.
    Als Schnitt wollte ich Dir auch den Sloane von Named empfehlen und Usedom von Schnittreif. Das ist ein sehr schönes Fledermausshirt, das man in zwei Varianten nähen kann.
    Für den geschundenen Bauch kannst du an Romanit-Röcke oder an Webstoff-Röcke wie z.B. Römö denken, die Du dann allerdings mit einem bequemen Jerseybund ausstattest.

    Liebe Grüße
    Luzie

  3. Pingback: Me made Mittwoch: Übergangsalltagskleidung | siebenhundertsachen

  4. Pingback: #129: Me Made Mittwoch. Yeah. | Bloggen. Leben. Nähen.

  5. Pingback: Zeitschriften Sew Along bei BuxSen | cutiecakeswelt

  6. Also erstmal: <3! Ich fühle mich ganz geschmeichelt, als Vorreiter des praktischen Stils genannt zu werden.

    Auch wenn ich kein Kind bekommen habe, habe ich viele viele viele kleine Veränderungen meines Körpers in den letzten Jahren erlebt. Und jedes Mal musste ich feststellen, dass mein Leben eher nach Spandex als nach Baumwolle schreit und habe mich furchtbar geärgert – sind Jeans und Sweatshirts nicht das unter Nähnerds geteilte stilistische Feindbild? Umso verrückter/überraschender/toller ist es, zu lesen, für eine Sporty Fashionista gehalten zu werden.

    Zu der Sweatshirtfrage: Bethouia finde ich auch sehr vielversprechend, ich mag ja solche Details wie die Rückansicht sehr. Wenig überraschend empfehle ich an dieser Stelle aber wirklich den Linden Schnitt – der ist einfach eine super Basis für alle möglichen Experimente mit Stoffen und Texturen (und Stickis!).

    Ich drücke dir die Daumen, dass deine textile Neuorientierung zügig gelingt. Vielleicht wird praktisch ja das neue vintage!

  7. Ich mag Bethioua sehr gern. Einfarbig genäht erinnert da gar nichts an Kinderstoff und kreisförmige Taschen. Linden und Sloane gefallen mir auch gut, da hat man ein Quentchen mehr als ein einfaches Sweatshirt. Meine Entdeckung der letzten Zeit ist Indigo aus der La Maison Victor mit interessanter Schnittführung und Taschen. Den Schnitt gibt es allerdings nur bis Gr.36. Für bequeme Alltagsmode mit kleinen Überraschungen kann ich mich der Knipmode-Empfehlung nur anschließen (bzw. neuerdings Fashion Style im deutschen Zeitschriftenregal). Außerdem finde ich die Kleider Boo und Loures von der Schnittbox sehr schön und unkompliziert.
    Viele Grüße,
    Malou

    • Malou vielen Dank für den Tipp mit der Schnittbox, die kannte ich noch gar nicht. Insbesondere Loures ist ja ein sehr hübsches Exemplar, das habe ich mir gleich mal gemerkt.

  8. Jetzt im Winter gehen doch grobe Leggings und Strumpfhosen auch mit Baby auf dem Boden gut! Ich finde Bambus da bei weitem am bequemsten und nachhaltig ist es noch dazu 😉
    Bei Jerseykleidern lohnt sich ein Blick in die Knip, da ist die Auswahl an Formen mit am größten, finde ich.

    • Bambusleggings? Wo kaufst du die denn? Oder nimmst du Bambusjersey und nähst sie selber? Gegen Kleid/Rock und Leggings habe ich gar nichts, ich fühle mich nur immer so eingeengt wenn ich über Knitterfalten nachdenke oder merke wie sich alle anhebt, wenn ich Mr H vom Boden hebe 😉

      • Ich hab welche von Rossmann und von dm .
        Engere Röcke aus Romanit gehen gut, weil die sich mit bewegen. Ich hab auch schon Schnitte für Webstoff aus Romanit genäht (1Gr kleiner) z.B. Amy oder Römö. Oder halt Tellerröcke aus knitterfreiem Stoff, da ist genug Stoff um sich zu bücken und auf dem Boden zu turnen. Und Kinder lieben Tellerröcke. In der Musikschule wollen alle Kinder immer mit mir tanzen.

      • Rossmann und dm – werde ich gleich mal gucken gehen. Hihi das kann ich mir vorstellen – Drehbrücke sind ja auch klasse. Und eine sehr gute Anregung denn in der Tat lagert hier seit langem ein Stoff, den ich extra mal für einen Teller gekauft und nie verarbeitet habe. Es wird – dank euer aller Hilfe. Habe heute erstmal Sweat gekauft im örtlichen Stoffhandel. Habe die Damen etwas in Schwitzen gebracht weil ich partout keine Muster auf dem Stoff wollte ;))

  9. Ich finde deine Gedanken und Pläne zu deinem Stilwechsel sehr spannend! Spontan habe ich an Frau Emma gedacht. Ich glaube, bei dir bin ich sogar auf den Schnitt aufmerksam geworden 🙂 Ich bin gespannt, zu welchen Schnitten dich die Reise führt!
    Liebe Grüße
    Christiane

  10. Mein absoluter Lieblingsschüler ist zur Zeit das Sloane Shirt von Named. Durch den schrägen Abnäher ist es ein bisschen besonders.
    Und toll finde ich auch Wickelkleider aus Jersey. Meine Kinder sind zwar schon gross, für die brauche ich nicht mehr auf dem Boden rumzukrabbeln. Ich mag es aber auch so bequem und bewegungsfreudig.
    LG,
    Claudia

  11. Ach wem sagst du das. In 3 Wochen geht es wieder ins Büro und ich hab nichts anzuziehen! Deine Pläne gefallen mir gut. Ich freu mich schon mehr darüber zu lesen.

    LG
    Steffi

    • gehts dir auch so? Das beruhigt mich ein bisschen – ich fühle mich wie ein Alien neben all den „ach ich hatte nach acht Wochen meine Figur zurück/das Baby hat mir drei Größen runtergetrunken, ich trage nur noch Kleidergröße 32“-Frauen, die offenbar nie über Webstoff-Kleider nachdenken mussten 😉

  12. Vielen Dank für diesen Blogpost. Du sprichst mir aus der Seele. Mir geht es ähnlich wie dir. Ich brauch etwas Neues. Etwas worin ich problemlos mit dem Racker über den Boden wälzen kann, was auf dem Spielplatz Sinn macht, was aber nicht dieses typische Mutti-Outfit ist.
    Danke für die Links und Inspirationen.
    Aktuell scheitert es bei mir schon an einer gescheiten Jeans. Ich hab sogar da schon überlegt die selber in Angriff zu nehmen, trau mich aber irgendwie auch nicht.
    Auch wenn ich in Zukunft den einen oder anderen Sweater nähen werde (Ottobre hatte da letztens einen der mir gut gefiel) werde ich doch auch Röcke und Kleider nähen. Einfach für mich. Auch wenn ich mich verändert habe, ich mag es immer noch „Schick“ im Sinne von Rock und Stiefel.
    Ich freu mich jedenfalls zu sehen und lesen wie du deinen Stilwechsel umsetzt und nehme das gerne als Inspiration für mich
    LG Dana

  13. Ich hab mir mehrere Kleider aus sweat genäht aus einer älteren Ausgabe der knip.leichter Fledermausarm und Kordel in der Taille.echt bequem mit leggings. Ich finde auch kibadoo hat ein paar nette Oberteilschnitte.kommt auch bald ein neues mit Raglanärmeln raus.
    Viel Spaß und gutes Gelingen beim neu-erfinden.
    Glg Dana

    • Ah Kibadoo – natürlich! Bei denen passen mir die Größen irgendwie nicht – ich habe wenn ich nach deren Schnitten genäht habe bisher überwiegend Murks produziert.

      • Das ist sehr schade! Ich bin gerade ganz verliebt in meinen Strickmantel und hab schon den nächsten zugeschnitten. In der neuen Burda ist auch ein netter Pullischnitt drin.

Sag mir Deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s