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#135: Jeans nähen

2016 ist ein wildes Jahr. Eines, das aus der Reihe tanzt und in jedem Monat eine neue Überraschung für uns bereit hält. Sehr viel sehr Schönes, einiges weniger Schönes, viel Unerwartetes, einiges lang ersehntes. Ich würde gern sagen können, dass das Nähen in diesem Jahr meine Ruheinsel war. Pustekuchen. Zudem ist – zumindest in zeitlicher Hinsicht – keine Besserung in Sicht. Weiterlesen

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#131. Teilzeit-Alles.

Wow – das war länger, als ich je dachte ohne bloggen und nähen leben zu wollen. In den letzten 18 Monaten hat sich mein Leben einmal um 180 Grad gedreht. Früher so: Vollzeit-und-gern-mehr-arbeitenden Frau, Großstadt, Altbau mittendrin, ständig unterwegs, jede freie Minute an der Nähmaschine. Weiterlesen

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#127: Stilwechsel.

Die Zeit der Webstoffkleider und -röcke ist für mich vorbei. Vorerst.

Es hat ja nur anderthalb Jahre gedauert, bis ich es eingesehen habe und aufschreiben kann. Laut gesagt habe ich den Satz allerdings noch nicht. Es ist so: etwa anderthalb Meter meines Kleiderschranks füllen meine Kleider und Röcke. Getragen habe ich davon in den letzten 18 Monaten: Null. Muss man nun also anderthalb wertvolle Schrankmeter weiterhin mit Kleidung belegen, die zum derzeitigen Leben nicht passt? Nein, denke ich und werde zwei, drei der vielen Umzugskartons auf unserem Dachboden damit füllen. Um Platz zu machen für etwas Neues.

Etwas Neues, das zu meinem heutigen Ich passt. Dass Breiflecken verzeiht. Dass Patschehände, die eben noch im Dreck gewühlt haben, verträgt. Etwas, in dem ich in die Hocke gehen kann, ohne dass es mich einengt, etwas in dem ich spontan einen Sprint einlegen kann, das spontan einsetzenden Regen eine Fußstunde von zu Hause entfernt aushält, etwas das geklettert und geschmust werden kann, auch wenn der kleine Mund noch voller Apfelmus klebt. Etwas in dem ich mich nach mir fühle und mir nicht verkleidet vorkomme. Etwas, das passt. Etwas, das akzeptiert, dass hier noch einige Kilos mehr sind, als vor der Schwangerschaft. Etwas, das akzeptiert, dass mein Körper anders fühlt und anders ist, dass mir hilft, diese Veränderung anzunehmen. Etwas das der ländliche Einzelhandel nicht im Angebot hat, etwas mit Stil obwohl es auf die Mutti-Uniform hinaus läuft.

Was kann das sein? Auf meinem Inspirationsstreifzug durch das Internet bin ich bei der Frau gestartet, deren Stil ich sehr, sehr liebe. Die so authentisch wie kaum eine andere in ihrer Kleidung ist und die aus Notwendigkeiten eine Tugend machen kann. Sinje. Linden-Sweater, schwarze Jeans, Ballerinas. Origami-Rock, Shirt, Sneaker. Mal ein Hauch Grau. Sporty Fashionista. I <3. Meine erste Idee: ein Sweater muss her – nein nicht so etwas mit kreisrunden Taschen und Applikationen und aus Kinderstoff, eher etwas locker geschnittenes, Raglan, schlicht, passend zu meiner grauen Lieblingsjeans, evt vorn kürzer als hinten.

Linden ist schon toll.

Sehr cool auch Fraser von Sewaholic – wobei mir hier die Armschnittführung nicht so richtig gefällt, es könnte sein, dass das ein Schwitzklemmer wird.

Auf meiner Recherchereise bin ich in neue Gefilde vorgedrungen. Deutsche Schnittmusterdesignerinnen, die vornehmlich Jersey oder Sweat verarbeiten. Alice von Prülla finde ich überraschend großartig. Allerdings hat meine Beispielsuche ergeben, dass es häufig nicht ganz so hübsch sitzt wie an der Designerin selbst. Einen Versuch mit dünnem Seat könnte es wert sein.

Viel gelobt wurde im Netz immer wieder dieses hier:

Ich hänge ein bisschen – evt ist mir das schon einen Hauch zu … pfiffig. Zu nah an kreisrunden Taschen und Kinderstoff. Vielleicht bin ich aber auch phantasielos.

Ich werde mal etwas rumprobieren. Ein bisschen Stoff bestellen und vorsichtig ausprobieren, wohin es mich zieht. Was ich nicht ganz lassen möchte sind ein Herbst und Winter in Rock/Kleid und Stiefeln. Dafür muss schon mal eine Leggings her. Roxie aus der ersten La-Maison-Ausgabe könnte einen Versuch wert sein. Und dann ein Origami-Rock dazu? Ich habe einen, den ich so geliebt habe, dass er auseinander fällt und kann mir trotzdem nicht vorstellen, noch einen zu nähen. Trägt am ohnehin geschundenen Bauch sehr auf. Habt ihr eine Idee für einen bequemen und komfortablen Rockschnitt, der Babyalltag und Homeoffice mitmacht?

Und die Kleider? Ich bin fest entschlossen, gegen meine Jerseykleid-Aversion, die mir aus der Schwangerschaft geblieben ist, anzugehen. Eventuell muss ich mal eine andere Form ausprobieren. Moneta von Colette Patterns etwa.   Besser noch Davie von Sewaholic:

Wobei ich mich sehr in das Ariel-Kleid (leider online nicht auffindbar) aus der aktuellen La Maison verliebt habe – vielleicht doch ein Webstoff, aber mit Stretch? Bliebe aber die Herausforderung, dass Strumpfhosen nun wirklich gar nicht babytauglich sind.

Farblich bin ich bei Sinje: grau, schwarz. Ich ergänze dann noch mit blau und ein paar Aqua-Tönen. Etwas pink eventuell.

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#125: Brigitte Kreativ

Heute morgen entdeckte ich, dass die Brigitte ein neues Heft an den Kiosk bringt. Brigitte Kreativ. Neue Zeitschriften von lang gehegten Lieblingsmarken bekommen immer eine Chance bei mir – auch wenn ich sofort skeptisch war. „Kreativ“ ist kein eindeutiges Bekenntnis zum Nähen und kann schnell mal in Schnullerketten und Tatüs enden. Weiterlesen

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#109: Gedanken nach vier Wochen.

Links oder rechts?

Ich war noch nie so verliebt.

2:51Uhr. 2:51 Uhr? 2:51 Uhr!

Wird er je alleine schlafen können?

Werde ich je wieder länger als zwei Stunden am Stück schlafen?

Noch schnell … oh, schon wieder wach.

Weihnachtskleid.

Diese Stirn möchte ich immerimmerimmer küssen.

Rechts? Links?

Ich sollte mal bloggen, dass ich beim WKSA aussteige.

Ihm ist sicher zu warm.

Gott, ist der süß.

Er pupst – endlich!

Kann man mehr als Halbsätze mit einer Hand tippen?

Hallo Nähmaschine – war schön mit dir ich weiß aber nicht, wann wir uns wieder sehen.

Schokocrossies oder Lebkuchen? Beides.

Kühlpack – sofort!

Nicht schon wieder heulen, Hormone ihr Arschlöcher.

Ist ihm zu kalt?

Prost, Kümmeltee.

Rechts? Ach, links.

Diese Hände!

Wenn ich noch einen einzigen Tag diese Schwangerschaftssachen tragen muss, schreie ich.

Links, ganz sicher.

Dieser Flaum an seiner Wange ist soooo weich.

 

Was ich sagen will: hier bleibts weiter still. Keine neuen Kleider, keine neuen Geschichten. Mr H und ich lernen uns weiter kennen und lieben. Ich vermisse euch und meine Nähmaschine sehr und ich würde furchtbar gern ganz viele neue Sachen produzieren, da die letzten vier Wochen aber komplett anders verlaufen sind, als ich mir das vorgestellt hatte, nehmen wir uns nun alle Zeit, die wir brauchen und irgendwann geht es dann auch hier weiter.

 

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#93: Maternity Me Made: Der Blumensack.

Es war einer dieser heißen Hamburger Tage, die Kompressionsstrümpfe machten mich kirre und ich sehnte mich nach: luftig, leicht, locker. Zudem hatte ich wochenlang nur Jersey verarbeitet. Meine Sehnsucht nach Webware war mindestens so groß, wie die nach luftig. Bei burda entdeckte ich einen Schnitt, der für Webware geeignet ist – Umstandsschnittmuster sind meist für Jersey oder retro (wofür derzeit meine Geduld nicht ausreicht). In dem Glücksrausch, der einsetzte, nachdem ich es gekauft hatte, bestellte ich blumige Viskose bei stoffe.de (mittlerweile ausverkauft). Weil: luftig. Weiterlesen

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#85: Das neue Projekt: Jumpsuit

Wie bei jeder neuen Mode, jedem neuen Trend, habe ich auch diesen erstmal und konsequent abgelehnt. Overall? Jumpsuit? Ja, auf dem Laufsteg an Modellen Größe 0 vielleicht noch ganz apart anzusehen, aber sicher nicht an echten Frauen. Im letzten Sommer mehrten sich dann auf Hamburgs Straßen die hübschen schlanken Eppendorferinnen in diesen Kleidungsstücken. Kein Grund für mich, mich damit näher zu beschäftigen, im Gegenteil ein guter Grund, weiter alles doof zu finden. Irgendwann setzt dann schleichend ein, was – ich glaube Meike wars – mal als „Sehgewohnheit“ titulierte. Ich gewöhnte mich an den Anblick. Dann fand ich dieses Kleidungsstück heiß und dann kam Stoff und Stil im Frühjahrskatalog mit diesem Modell um die Ecke und dann war akutes haben-müssen da.

stoffundstil.de

Gepunkteter Overall aus dem Stoff und Stil Katalog – lässt mein Herz hüpfen. Quelle: http://www.stoffundstil.de/Katalog/Mode.aspx?group_id=11330&articleid=33653

Dann war ich schwanger und verschob das Projekt gedanklich auf den nächsten Sommer. Bis ich letzte Woche dieses Näh-Fieber bekam, das ich immer bekomme, wenn ich plötzlich weiß: DAS IST ES. Dieses Fieber steigt so lange, bis ich in der Hand halte, was ich wollte und ich werde nicht ruhen, bis ich fertig bin.

Also Schritt 1: Recherche Schnittmuster Jumpsuit für Schwangere. Im deutschen Sprachraum gibt es exakt eins von burda. Im amerikanischen Sprachraum gibt es allerlei Merkwürdigkeiten von den großen Firmen, die aber eher nach Latzhose aussehen. Also nach Schnittmustern für nicht-schwangere gesucht. Viel gefunden, in das man sich verlieben kann:

Anfrage bei Mama gestellt, ob man die ggf entsprechend ändern kann. Abschlägige Antwort erhalten. burda gekauft und die Trillionen Seiten ausgedruckt, geklebt und ausgeschnitten. Erste Erkenntnis: bei Katalogschnitten kann burda Änderungslinien. Zweite Erkenntnis: Printhäuser tun sich mit Digitalisierung schwer – wenn ich die deutsche Anleitung hätte ausdrucken wollen, hätte ich sieben Seiten verbraucht, weil das Spalten-Layout des Papierschnitts beibehalten wurde.

Also alles digital belassen und losgelegt. Das Nähen ist simpel, wenn man denn gern Gummiband mittels Zickzackstich auf Jersey anbringt. Trotz mehrfachen Nähens und Trennens, exakter Einteilung in Viertel und gleichmäßigem Zug war es nahezu unmöglich, die Gummibänder gleichmäßig anzunähen. Das ärgert den Näh-Perfektionisten in mir schon sehr.

Zudem werden äußere Oberteile ohne Gummizug zusammen mit den inneren, begummiten Oberteile miteinander verbunden an die Hose genäht. Hübsche Fummelei. Das werde ich ändern und entweder mit einem Tunnel und einem darin eingezogenen Gummi arbeiten oder unter dem Bauch sogar mit einem Bindeband.

An dieser Stelle bin ich mutig und zeige euch spätabendliche, blasse und nicht-optimale work-in-progress-Bilder, die ich normalerweise hier nicht zeigen würde. Der Stand nach einem ersten groben Zusammensetzen mit nur einem gesteckten Träger:

Jumpsuit_1 Jumpsuit_2

Fazit: ich mag, was ich da erahne. Natürlich noch nicht so. Es ist optimierungsbedürftig, aber das ist machbar.

Ich hatte insgesamt neun Centimeter Länge an Ober- und Hosenteilen eingefügt – das Oberteil darf noch mal etwa zwei weitere erhalten, die Hose braucht das im Bereich der Unterschenkel und des Saums nicht mehr (zu lang – yeaaahhh!) dafür aber im Hüftbereich etwas mehr Weite und im seitlichen Bereich einen Hauch mehr Länge. Zudem ist die Farbe dieses Jerseys nicht optimal, so wirkt er sehr schlafanzugig. Das ist ein sehr guter Stoff von Frau Tulpe, daher werde ich mal gucken, was vom Stoff ich retten kann. Für eine zweite Variante ist bereits neuer dunkelblauer Jersey bestellt, ich denke, je dunkler desto besser für mich. Ggf sogar mit dem Mut zu einem andersfarbigen Oberteil – schaun wir mal, was ich so zustande bringe.

Ich glaube, ein Jumpsuit steht und fällt mit der Stoff-Farb-Kombi – und die gilt es jetzt rauszutüfteln. Was sagt ihr: geht oder geht gar nicht? Ich bin gespannt auf euer Feedback.