0

#39: Sehen

Dieses Mal andersrum. Gestern Abend, kurz vor sechs Uhr. Ich hetze aus dem Büro in die U-Bahn, habe gleich noch einen Arzttermin. Abendessen wird es erst in drei Stunden geben, ich habe Hunger. Springe an der Haltestelle in den Kiosk, Schoko-Cookie kaufen. Die Verkäuferin packt das Kalorienmonster, das mich drei Stunden satt machen soll, ein und sagt: “ Ich habe Ihnen zwei gegeben – für den Preis von einem“. Erstaunt bedanke ich mich. Und freue mich über diese Aufmerksamkeit. #sehen

8

#32: Sehen.

Während ich durch den grauen und regnerischen Hamburger Morgen laufe, sehe ich auf den Boden. Den Blick tief gesenkt, um nicht allzu nass zu werden und um auf die Pfützen, tief wie Seen, zu achten. Den ganzen Tag mit nassen Füßen im Büro, das mag ich nicht. In meinem Kopf bereite ich den Tag vor – was muss ich wann wie erledigen, mit wem muss ich sprechen, wer muss angerufen, informiert werden. Ist das wichtige Projekt bereits einen Schritt weiter? Werde ich die Deadline halten? Ich fliehe vor dem Regen in die nass-muffelige U-Bahn und blicke das erste Mal auf heute. Menschen, die genau wie ich mit sich und dem vor ihnen liegenden Tag beschäftigt sind. Ein Kind brüllt und ich bin genervt. An der Haltestelle ärgere ich mich, dass ich im Regen vor der Treppe warten muss, was ist da los? Eine Rentnerin kommt mit dem Rollator nicht allein die Treppe runter, hinter ihr stauen sich regenbeschirmte Menschen, genervt und hektisch. Eine Frau klappt ihren Schirm zu, hilft der Dame die Treppe runter und wrd dabei patschnass. Ich blicke endlich wirklich auf – und schäme mich.

Weiterlesen