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#5: Saltspring Dress

Saltspring Dress von Sewaholic. Quelle: http://www.sewaholicpatterns.com

Saltspring Dress von Sewaholic. Quelle: http://www.sewaholicpatterns.com

Hach. Ich bin verliebt. In Tasia von Sewaholic. Genauer gesagt: In ihre Schnitte. Ich habe zwei Cambie Dresses, zwei Holyburn Skirts und der Robson-Coat-Schnitt liegt hier bereits samt passendem Stoff und wird das nächste Langzeitprojekt. Kein Wunder also, dass ich in dem Moment, in dem Tasia das Saltspring Dress vorstellte, bereits geordert habe. Sie ist wahnsinnig schnell und ich hatte acht Stunden später die Versandmitteilung und vier Tage später den Schnitt im Briefkasten.

Nach dem Messen gucke ich auf Sewaholic.net nach, welche Größe ich nähen muss. Da die Schnitte aus Kanada kommen, sind auf dem Umschlag keine metrischen Angaben gemacht, die kann man aber im Shop herunterladen.

Nach dem Messen gucke ich auf Sewaholic.net nach, welche Größe ich nähen muss. Da die Schnitte aus Kanada kommen, sind auf dem Umschlag keine metrischen Angaben gemacht, die kann man aber im Shop herunterladen.

Vor dem Spaß steht wie immer das Ausrädern. Bäh.

Trotz tropischer Temperaturen im Esszimmer-Zuschneideraum-Büro habe ich gestern losgelegt. Da ich überhaupt keine Lust darauf habe, Probemodelle* zu nähen, kaufte ich letzte Woche einen günstigen, aber wie ich dachte, durchaus tragbaren und günstigen Chiffon bei Karstadt in der Hamburger Innenstadt. Pustekuchen. Der Stoff war fürchterlich. Schief, krumm, schreckliche Farben, knisternde Qualität und widerliche Muster. Was mich geritten hat, diesen Stoff zu kaufen, frage ich mich immer noch. Der war so hässlich, dass ich keine Lust hatte, Fotos vom Zuschnitt zu machen. Also folgte erstmal eine unzufriedene Stunde auf dem Sofa, danach eine kurze Radtour zum Karstadt Eimsbüttel. Und da war: kein Stoff. Also wirklich kein Fitzelchen. Die Abteilung hat gestern Inventur gemacht. Alles raus, zählen und dann wieder rein in die Regale. Leider waren die Mitarbeiter über das Zählen offenbar noch nicht hinausgekommen und schwer genervt von meiner Anmerkung, dass ein Samstag wirklich ein doofer Tag für eine Inventur ist.

Also zurück nach Hause. Zwei Möglichkeiten: weiter ärgern oder Lösung finden. Ich fand eine Lösung indem ich den ersten Zuschnitt komplett in den Mülleimer beförderte. Das habe ich noch nie getan, zweieinhalb Meter zugeschnittenen Stoff ohne Nähversuch in die Tonne zu stecken kann aber befreien, habe ich gelernt. Danach gings besser und eine weitere Stunde Recherche ergab: Jersey eignet sich hervorragend für den Schnitt. Jerseykleid? Ich war skeptisch, sieht man da nicht jede Delle? Nun denn es half nichts. Wenn ich nicht meinen bestgehütesten Stoff anschneiden wollte (und das wollte ich nicht, der will was anderes werden, ich habe nachgefragt) musste ich Jersey nehmen. Von keinem anderen Stoff hatte ich noch über zwei Meter. Also den neulich gekauften Billig-Plaste-Jersey rausgekramt. Das Innenteil aus dem wundervollen Viskose-Jersey von Stoff & Stil zugeschnitten und losgenäht.

Endlich einen passenden Stoff gefunden. Hier sieht man, wie das hintere Vorderteil ein Stück über den Stoffbruch hinausgeschoben wird, um die NZ zu reduzieren. Die braucht man nämlich nicht, wenn man das Teil im Bruch zuschneidet.

Endlich einen passenden Stoff gefunden. Wichtig: wenn wie hier das hintere Vorderteil im Bruch zugeschnitten wird, muss die Nahtzugabe abgerenchnet werden. Dazu wird das Schnittteil um 1,5 cm über den Stoffbruch hinausgeschoben (rechts auf dem Bild).

Eine Stunde später hatte ich ein fertiges Kleid in den Händen. Das ging überraschend schnell, ich war schockverliebt in den Schnitt und schnitt gleich gestern Abend um halb elf eine weitere Version zu. Die ich heute genauso fix zusammengetackert habe.

Version 1 ist fertig. Etwas zu kurz für meinen Geschmack daher wird die nächste Version noch einmal fünf Zentimeter länger gemacht.

Version 1 ist fertig. Etwas zu kurz für meinen Geschmack daher wird die nächste Version noch einmal fünf Zentimeter länger gemacht.

V2 ist fertig: Neon-Stripes. I love!

V2 ist fertig: Neon-Stripes. I love!

Bei der Jersey-Variante des Kleides muss man ein bisschen anders zuschneiden. Tasia erklärt hier wie man das Kleid ohne Reißverschluss und ohne Bluseneffekt herstellt. Der Hinweis darin: Hinterteil im Bruch zuschneiden war für mich entscheidend.

Hier mein Saltspring Dress im Überblick:

  • Jersey (Neon-Stripes von hier)
  • Größe 10 zugeschnitten und genäht
  • kein Reißverschluss aber Bluseneffekt
  • Hinterteil, hinteres Futterteil und hinteres Rockteil im Bruch zugeschnitten und dabei die enthaltene Nahtzugabe subtrahiert, indem ich die Schnittteile einfach 1,5 cm über den Bruch hinausgeschoben habe
  • Rockteil wie immer um 5 cm bzw. 10 cm (die zweite Variante) verlängert
  • bei der zweiten Version habe ich die Rockteile um 10 cm verlängert und die Oberteile jeweils um einen Centimeter
  • nahezu komplett mit der Overlock gearbeitet, der Differentialtransport war gnädig mit mir, sodass ich keine Probleme hatte
  • Nähte mit der Nähmaschine: nur die Mittelnaht, die später das Gummi eingezogen bekommt
  • offene Säume, wollte ich schon immer mal probieren, mal sehen ob es der Wäsche standhält

So habe ich genäht:

  • beim ersten Kleid habe ich eine Seitennaht geschlossen und bin dann der Anleitung gefolgt. Das Ergebnis: am Ende war es ein ziemliches Gefummel, die letzte Seitennaht zu schließen, da man im Oberteil die zwei Lagen hat und die äußere Lage mehr Stoff hat als die innere. Die Naht sieht, Verzeihung, scheiße aus. Ich lebe damit.
  • bei der zweiten Version habe ich alle Seitennähte geschlossen, die Vorterteile nach Anleitung genäht und das Rockteil ebenfalls an beiden Seitennähten geschlossen angebracht. War sehr viel einfacher.
  • Seitennähte mit kanpp 1,5 cm NZ gearbeitet
  • die Verbindung Vorder- und Rockteil mache ich grundsätzlich mit weniger NZ als angegeben, da ich groß bin und mir so ein paar Zusatz-Millimeter erschummeln kann

Gibts noch eins?

Ich habe ein wenig Sorge, dass der Sommer bald vorbei ist, daher vermutlich eher nicht. Hamburg neigt nun nicht eben zu übertriebener Hitze und ein Sonnen-Urlaub steht auch nicht an, außerdem muss ich entscheiden, ob dieser sehr legere Look im Büro ok sein könnte. Aber nächstes Jahr sicher – und dann aus Chiffon.

Habt ihr Saltspring auch auf der Liste oder schon eins gemacht? Ich bin gespannt, welche Varianten euch eingefallen sind!

Ich wünsche euch einen tollen Sonntagabend und morgen einen sonnigen Wochenstart!

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*Ich weiß schon, Probemodelle sind sehr sinnvoll um die Passform des Schnitts beurteilen zu können. Ich fertige ein Nessel-Modell aber nur noch, wenn es nicht anders geht. Gründe für ein Probemodell sind sehr, sehr teurer Stoff oder ein mir bisher unbekannter Schnittdesigner. Meist auch nur bei Kleidern und dann nur das Oberteil. Bei allen Marken, die ich regelmäßig nähe kenne ich mittlerweile die Eigenarten, die ich entsprechend auf mich anpasse. Sind keine Nahtzugaben im Schnitt enthalten, schneide ich gern großzügig Nahtzugabe dazu und gleiche kleine Passformmängel dadurch aus.