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#23: Ergebniszufriedenheit dringend gesucht.

„Bin ich komisch?“, fragte ich mich neulich, als ich den freien Abend statt hinter der Nähmaschine auf dem Sofa verdaddelte.

Was war passiert? Robson sollte an dem Abend fertig werden – oder nahezu. Ich musste die Ärmel einsetzen und den Gürtel samt Schlaufen erstellen. Alles keine Wunder, alles machbar, wenn auch mit wenig Herzblut verbunden. Ich setzte die Ärmel ein. Zog an, Passte. Glück stieg in mir auf. Meilenstein geschafft und so. Guckte mir die Zeichnung auf dem Schnitt an und dann meinen Ärmel. Da war es vorbei mit mir und dem aufsteigenden Glück: auf der Schnittmusterzeichnung sah der Ärmel deutlich anders aus. Ich betrachtete Schnittmuster, Ärmel, Schnittmuster, Ärmel. Probierte ein bisschen, ging im Kopf die Fehlerquellen durch, suchte nach Ursachen, fragte mich, ob es überhaupt (m)ein Fehler war oder die Zeichnung komisch sein könnte. Befüllte Google mit der Suchphrase „Robson Coat“ . Beruhigte mich: bei anderen konnte ich diese Ansicht auch erahnen.

Dennoch: die Lust war dahin. Dieser Abend war .. heute.

Ich stelle fest, dass ich insgesamt dazu neige, Nähprojekte am Ende richtiggehend beknackt zu finden. So wie die Summe der geleisteten Arbeitsschritte kontinuierlich steigt, zählt auch mein innerer Fehlercounter fleißig mit. Am Ende stehen die geschafften Schritte den gemachten Fehlern und unzufriedenen Stellen gegenüber. Die Bilanz fällt zumeist nicht positiv für mich aus und ich überlege still vor mich hin, wie ich den zu hohen Abnäher beim nächsten Mal weiter runter setzen kann und ob ich so überhaupt auf die Straße gehen will. Dabei gehöre ich zu denen, die gern und mit Muße trennen und ändern, immer in dem Bewusstsein, dass es nur besser werden kann. Hat Paula, meine Nählehrerin, mir mitgegeben. „Trennen ist Näh-Yoga und macht alles besser“, hat sie mir wochenlang eimgeimpft. Trotzdem sind sie da diese vielen, vielen kleinen Fehlerchen, die mir den Spaß verderben und mich nerven. Das nervt mich.

Gibt es Näh-Zufriedenheit? Bzw. Ergebniszufriedenheit? Ist das Jammern auf hohem Niveau oder bin ich gar total bescheuert? Mag es sein, dass meine Nicht-Kenntnisse in vielen Bereichen Erfolg verhindern? Mit diesen Fragen im Kopf gehe ich mal schlafen … das Thema wird hier sicher noch öfter vorkommen, es wurmt mich schon immer. Gute Nacht.

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#3: Mitmachen!

gerade hier gefunden: die Diplomarbeit einer Innenarchitekturstudentin beschäftigt sich mit einem Möbel, das speziell auf die Bedürfnisse des Nähens zu Hause zugeschnitten sein soll. Ihr könnt die Studentin unterstützen indem ihr ihre Umfrage beantwortet: Nähen in den eigenen vier Wänden. Ich gehe jetzt mal Fragen beantworten.